Nach dem Stresstest bei Griechenlands Banken hat die Europäische Zentralbank unter Annahme eines sog. Basis-Szenarios einen Kapitalbedarf in Höhe von insgesamt 14,4 Milliarden Euro ermittelt. Neben der Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Aktien im Rahmen eines Bookbuilding-Verfahrens kommen bei der Rekapitalisierung der Banken Griechenlands auch CoCo-Bonds, sog. Contingent Convertible Bonds, zum Einsatz.

Rekapitalisierung der Banken Griechenlands

Im Rahmen eines Stresstests der Europäischen Zentralbank wurden bei allen vier griechischen Großbanken große Kapitallücken festgestellt, die in der Summe einen Kapitalbedarf von EUR 14,4 Milliarden erreichten. Dabei geht es um die

  • Piraeus Bank,
  • National Bank of Greece (NBG),
  • Eurobank Ergasias und die
  • Alpha Bank.

Während der Kapitalbedarf bei der griechischen Alphabank und bei der Eurobank Ergasias etwas niedriger war als erwartet, wurde bei der National Bank of Greece unter Annahme eines sog. Basisszenarios ein Kapitalbedarf in Höhe von EUR 4,4 Milliarden festgestellt. Den höchsten Kapitalbedarf hatte die Piraeus Bank, die bei der weiteren Betrachtung der Rekapitalisierung der griechischen Banken unberücksichtigt bleibt. Bei allen vier Banken besteht das Problem, daß die Griechen einen großen Teil ihrer Guthaben und Spareinlagen in 2015 innerhalb kurzer Zeit abgezogen haben und darüber hinaus ein großer Teil der ausgegebenen Kredite überfällig sind bzw. nicht mehr bedient werden. Die Quote der notleidenden Darlehen wurde im Durchschnitt auf 40% beziffert. Diesbezüglich war der Umgang mit den säumigen Schuldnern bis zuletzt einer der höchst umstrittenen Punkte zwischen der griechischen Regierung unter Tsipras und den beteiligten europäischen Instituten. Die Zukunft wird zeigen, ob die ausgehandelte Einigung den Banken genug Spielraum lässt, um sich aus der eigenen Notlage zu befreien.

Bond swap

Nach dem Stresstest durch die EZB kündigte die National Bank of Greece an, die Rekapitalisierung (auch) durch den Einsatz von „bond swaps“ durchzuführen. Hierbei tauschen Gläubiger ihre Anleihen in Aktien um, wobei dadurch Fremdkapital in Eigenkapital umgewandelt wird.

Kapitalerhöhung im Bookbuilding-Verfahren

Um ausländische Privatinvestoren in die Rekapitalisierung der griechischen Banken einzubeziehen, haben die genannten vier griechische Banken eine Kapitalerhöhung im Rahmen eines sog. Bookbuilding-Verfahrens beschlossen. Hierbei wird das Grundkapital der Aktiengesellschaft durch Ausgabe neuer Aktien erhöht, in dem potentielle Investoren innerhalb einer vorgegebenen Zeichnungsfrist ihre Preisangebote zur Übernahme neuer Aktien einreichen und anhand der Angebote am Ende der Frist entschieden wird, welche Investoren die neuen Aktien zu welchem Preis erhalten. Hier ist es üblich, insbesondere im Krisenfall einer Bank, dass die neuen Aktien mit einem deutlichen Abschlag gegenüber den aktuellen Börsenkursen ausgegeben werden. Bei der National Bank of Greece wurde der Preis pro Aktie auf EUR 0,02 (EUR 0,30 nach Reverse Split 1/15) festgelegt, womit ein gewaltiger Abschlag in der Nähe von 95% gegenüber dem letzten Börsenkurs am 19.11.2015 verbunden war. Nicht viel besser sah es bei der Alpha Bank und der Eurobank Ergasias aus.

Während die Alpha Bank und die Eurobank Ergasias ihren Kapitalbedarf unter Annahme eines Basisszenarios vollumfänglich im Rahmen der Kapitalerhöhung erzielen konnten, ist dies der National Bank of Greece wie erwartet nicht gelungen, weil der Kapitalbedarf zu hoch und das Interesse ausländischer Investoren zu gering war. Für die Altaktionäre – darunter auch der griechische Bankenrettungsfonds HFSF – ist mit der Kapitalerhöhung im Rahmen des Bookbuilding-Verfahrens eine erhebliche Verwässerung und Entwertung ihrer Anteile an den Banken verbunden, was sowohl Vor- als auch viele Nachteile hat. Der hohe Abschlag für die neuen Aktien im Rahmen des Bookbuilding-Verfahrens ist auch der Grund dafür, dass die Aktienkurse nach Bekanntgabe der Preise für die neuen Aktien in der vergangenen Woche nochmals deutlich eingebrochen sind.

Weitere Kapitalerhöhung

Da die oben beschriebenen Maßnahmen zur vollständigen Rekapitalisierung der National Bank of Greece nicht ausreichend war, soll Ende November eine weitere Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Aktien am öffentlichen Markt in Höhe von EUR 300 Millionen platziert werden.

CoCo-Bonds

Für den restlichen Kapitalbedarf (hier geschätzt auf EUR 2,71 Milliarden) kommen bei der National Bank of Greece auch sog. CoCo-Bonds (Contingent Convertible Bonds) zum Einsatz, wobei sich hier der griechische Bankenrettungsfonds HFSF an der Rekapitalisierung der Bank beteiligt. Bei CoCo-Bonds handelt es sich um langfristige, nachrangige Schuldverschreibungen besonderer Art mit festgelegtem Coupon, wobei man im wesentlichen zwei Arten unterscheidet. Auf der einen Seite

  • CoCo-Bonds,  die unter bestimmten im Voraus definierten Bedingungen in eine bestimmte Anzahl von Aktien umgewandelt werden (= Zwangswandelanleihen), auf der anderen Seite
  • CoCo-Bonds, die unter bestimmten Bedingungen ganz verfallen.

Im Gegenzug werden die Anleger bei CoCo-Bonds mit einer deutlich höheren und damit attraktiven Verzinsung belohnt.

Diesbezüglich hat die National Bank of Greece ankündigt, die CoCo-Bonds mit den Erlösen aus dem Verkauf der Beteiligung an der türkischen Finansbank ablösen.

Kapitalstruktur der NBG nach Rekapitalisierung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rekapitalisierung der National Bank of Greece dazu führen wird, dass der von der EZB anfangs mit EUR 4,6 Milliarden bezifferte Kapitalbedarf zu 40% durch die Beteiligung privater Investoren und zu 60% durch den HFSF gedeckt wird. Gleichzeitig sinkt jedoch der Anteil des HFSF am Grundkapital der National Bank of Greece von derzeit rund 60% auf weniger als 30% nach Abschluß der Rekapitalisierungsmaßnahmen.

Dringender Hinweis:

Die vorgenannten Erläuterungen dienen nur der Erläuterung der einzelnen Maßnahmen, die bei der Rekapitalisierung der griechischen Banken zum Einsatz kamen. Damit ist keinesfall die Aufforderung oder die Empfehlung verbunden, zu irgendeinem Zeitpunkt Aktien der genannten Banken zu kaufen.

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