Im eigenen Arbeitszimmer arbeitenArbeitnehmer und selbständige Unternehmer oder Freiberufler können die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben absetzen, wobei der Gesetzgeber die Voraussetzungen für den Abzug der Kosten mit Wirkung ab 01.01.2007 deutlich verschärft hat. Sofern das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet, können die Kosten hierfür in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgesetzt werden. Dies ist dann der Fall, wenn die für das Unternehmen oder den Beruf wesentlichen und prägenden Tätigkeiten dort verrichtet werden. Ein beschränkter Abzug in Höhe von EUR 1.250,00 ist in den Fällen möglich, in denen dem Steuerpflichtigen für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

1. Alte Rechtslage bis 31.12.2006

Die alte Rechtslage galt bis 31.12.2006 und ermöglichte den unbeschränkten Abzug der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer, sofern dieses den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit darstellte (1. Alternative). Anderenfalls war der Abzug der Kosten auf EUR 1.250,00 beschränkt, sofern

  • die betriebliche oder berufliche Nutzung des Arbeitszimmers mehr als die Hälfte der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit betrug (2. Alternative) oder
  • für die betriebliche und berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stand (3. Alternative).

2. Neuregelung zum 01.01.2007

Mit der Neuregelung durch das Steueränderungsgesetz (StÄndG) 2007 vom 19.7.2006 (BGBl 2006 I S. 1652) wollte der Gesetzgeber die Abziehbarkeit der Kosten für ein Arbeitszimmer mit Wirkung ab 01.01.2007 auf die Fälle der 1. Alternative beschränken, in denen das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellt. Im Ergebnis konnte nur noch ein kleiner Teil der Arbeitnehmer und selbständigen Unternehmen die Kosten für ein Arbeitszimmer absetzen.

3. Urteil des BVerfG zum Arbeitszimmer vom 6.7.2010

Das Bundesverfassungsgericht beurteilte die Abschaffung der Abzugsmöglichkeiten in der 3. Alternative (kein anderer Arbeitsplatz) jedoch mit Urteil vom 6.7.2010 (2 BvL 13/09, BStBl. 2011 II S. 318) für verfassungswidrig und hob die entsprechende Neuregelung durch das Steueränderungsgesetz (StÄndG) 2007 wieder auf. Der Gesetzgeber musste für diese Alternative eine verfassungskonforme Neuregelung schaffen.

4. Aktuelle Rechtslage gem. Jahressteuergesetz 2010

a) Rückwirkende Neuregelung zum 01.01.2007

Durch das Jahressteuergesetz 2010 wurde der beschränkte Abzug der Kosten für ein Arbeitszimmer rückwirkend ab 01.01.2007 für diejenigen Fälle wieder eingeführt, in denen dem Arbeitnehmer oder selbständigen Unternehmer kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Die Neuregelung gilt rückwirkend ab 01.01.2007 für alle noch nicht rechtskräftig entschiedenen Sachverhalte, also insbesondere in den folgenden Fällen:

  • Steuerbescheid noch nicht ergangen;
  • Steuerbescheid bezüglich der Kosten für ein Arbeitszimmer nur vorläufig oder unter dem Vorbehalt der Nachprüfung ergangen;
  • Steuerbescheid ergangen, aber noch nicht bestandskräftig, weil über einen Einspruch gegen den Steuerbescheid noch nicht unanfechtbar entschieden wurde.

Soweit ein ablehnender Steuerbescheid hinsichtlich der Kosten für ein Arbeitszimmer bestandskräftig geworden ist, können die Kosten nachträglich nicht mehr berücksichtigt werden.

b) Aktuelle Rechtslage zum Arbeitszimmer

Nach aktueller Rechtslage können die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer gem. § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG in den folgenden Fällen abgesetzt werden:

  • in unbeschränkter Höhe, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit bildet (1. Alternative);
  • beschränkt auf EUR 1.250,00, wenn dem Steuerpflichtigen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (2. Alternative).

Hiervon profitieren vor allem solche Arbeitnehmer und selbständigen Unternehmer oder Freiberufler, die ihre Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer ausüben müssen, weil ihnen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, insbesondere

  • Lehrer, Dozenten und ähnliche Fälle,
  • Angestellte im Vertrieb,
  • selbständige Handelsvertreter oder
  • Berufssportler und -musiker sowie ähnliche Berufe.

Die Kosten für das Arbeitszimmer sind jedoch vollständig nicht mehr abziehbar, wenn die betriebliche oder berufliche Nutzung zwar mehr als die Hälfte der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit beträgt, aber daneben ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Bildnachweis: Freiberufler im Arbeitszimmer © detailblick / fotolia.com.

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