Als selbständiger Unternehmer, Arbeitnehmer, Beamter oder Rentner kann man die Kosten für ein Arbeitszimmer in Höhe von EUR 1.250,00 als Werbungskosten oder Betriebsausgaben steuermindernd absetzen, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Häufig besteht jedoch Streit mit dem Finanzamt, welche Räume in diesem Sinne als Arbeitsplatz zu verstehen sind.

Aktuelle Rechtslage zum Arbeitsplatz

Nach aktueller Rechtslage können selbständige Unternehmer und Freiberufler, beschäftigte Arbeitnehmer und Rentner die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer steuerlich absetzen, und zwar

  • in unbeschränkter Höhe, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit bildet (1. Alternative) oder
  • beschränkt auf EUR 1.250,00, wenn dem Steuerpflichtigen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (2. Alternative).

Die gesetzliche Grundlage hierfür befindet sich in § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG.

Häufig besteht jedoch Streit mit dem Finanzamt, welche Räume in diesem Sinne als Arbeitsplatz zu verstehen sind. Klarheit bringen die folgenden Urteile des Bundesfinanzhofs (BFH):

Nur eingeschränkte Nutzung

Als „anderer Arbeitsplatz“ i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG dient grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist (Urteil vom 26. Februar 2014 VI R 37/13, BFHE 245, 22, BStBl II 2014, 570). Weitere Voraussetzung ist jedoch,

dass der Steuerpflichtige den „anderen Arbeitsplatz“ für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit in dem konkret erforderlichen Umfang und in der konkret erforderlichen Weise tatsächlich nutzen kann. Muss der Steuerpflichtige jedoch einen nicht unerheblichen Teil seiner beruflichen Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer erledigen, weil er seinen Arbeitsplatz nur eingeschränkt nutzen kann, kommt das Abzugsverbot nicht zum Tragen. Denn in einem solchen Fall ist das Arbeitszimmer notwendig, so dass sich der Steuerpflichtige den Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer nicht entziehen kann (Urteile vom 26. Februar 2014, VI R 40/12, BFHE 245, 14, BStBl II 2014, 568; in BFHE 245, 22, BStBl II 2014, 570). Entscheidend ist, ob der Steuerpflichtige seine betriebliche oder berufliche Tätigkeit in dem konkret erforderlichen Umfang an dem „anderen Arbeitsplatz“ erledigen kann (Urteile in BFHE 245, 22, BStBl II 2014, 570; vom 26. Februar 2014 VI R 11/12, BFHE 245, 150, BStBl II 2004, 674).

Eine eingeschränkte Nutzung ist z.B. zu bejahen, wenn der andere Arbeitsplatz nicht den Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung entspricht, zu klein und zu laut ist oder wegen einer Sanierung überhaupt nicht genutzt werden kann.

Pool-Arbeitsplatz

Ein anderer Arbeitsplatz i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG ist grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist. Die Abzugsbeschränkung setzt insbesondere keinen eigenen, räumlich abgeschlossenen Arbeitsbereich voraus. Auch ein Raum, den sich der Steuerpflichtige mit weiteren Personen teilt, kann ein anderer Arbeitsplatz sein. Ein Arbeitsplatz in einem Großraumbüro kann auch dann „ein anderer Arbeitsplatz“ i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG sein, wenn er dem Steuerpflichtigen nicht individuell zugeordnet ist (Urteil vom 7. August 2003 VI R 17/01, BFHE 203, 130, BStBl II 2004, 78). Der andere Arbeitsplatz steht jedoch nur dann „für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit zur Verfügung“, wenn er in dem konkret erforderlichen Umfang und in der konkret erforderlichen Art und Weise tatsächlich genutzt werden kann.

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