Bei Verlusten in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren erfolgt seitens der Finanzämter zunehmend die Prüfung der Gewinnerzielungsabsicht, insbesondere bei Existenzgründern und selbständigen Unternehmern bzw. Freiberuflern. Die Gewinnerzielungsabsicht wird aber auch verstärkt bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung überprüft, wenn das Verhältnis zwischen Einnahmen und Werbungskosten auffällig oder dauerhaft negativ ist, insbesondere bei Ferienwohnungen.

Selbständig bei Gewinnerzielungsabsicht

Die Gewinnerzielungsabsicht ist neben der Nachhaltigkeit und Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr zunächst ein bedeutendes Kriterium bei der Abgrenzung zwischen einer abhängigen Beschäftigung und einer selbständigen Tätigkeit. Sobald ein gewerblicher Einzelunternehmer oder Freiberufler mehrere, aufeinanderfolgende Jahre Verluste erwirtschaftet, sind beim  Finanzamt Zweifel an der Gewinnerzielungsabsicht vorprogrammiert, d.h. letztere muss planmäßig geprüft werden. Kritisch sind vor allem die Fälle, in denen selbständige Unternehmer oder Freiberufler ihre Tätigkeit nebenberuflich ausüben. In diesen Fällen werden die Verluste häufig mit anderen positiven Einkünften aus Lohn oder Gehalt verrrechnet, um dadurch insbesondere Steuererstattungen auf bezahlte Lohnsteuer zu generieren. Ebenso problematisch sind die Fälle, in denen ansonsten übliche Kosten der privaten Lebensführung (z.B. anteilige Fixkosten ohnehin vorhandener Gegenstände wie Wohnung, PKW oder ähnliches) als Betriebsausgaben geltend gemacht werden und zu den entsprechenden Verlusten beitragen. In diesen Fällen liegt es nahe, dass die verlustbringende Tätigkeit nur aus solchen Motiven betrieben wird, die im Bereich der privaten Lebensführung zu suchen sind oder entsprechend den privaten Neigungen ausgeübt wird. Demgegenüber liegt bei einer nur vorübergehenden Phase mit Verlusten noch keine sog. Liebhaberei vor, sofern die die Tätigkeit, die Gesamtverhältnisse und das Betriebskonzept dafür sprechen, dass es sich nur um eine vorübergehende Phase handelt und die Tätigkeit auf Dauer zu positiven Einkünften führen kann.

Fehlende Gewinnerzielungsabsicht = Liebhaberei

Sobald das Finanzamt bei einer gewerblichen oder freiberuflichen Tätigkeit die Gewinnerzielungsabsicht nicht (mehr) erkennen kann, ist die Rede von Liebhaberei, die der privaten Lebensführung zuzuordnen ist, so dass die erzielten Verluste steuerlich nicht mehr mit anderen positiven Einkünften aus nicht selbständiger Arbeit, Vermietung und Verpachtung oder sonstigen Einkünften verrechnet werden können. Zuvor wird das Finanzamt den Steuerpflichtigen in der Regel anhören und nach den Ursachen für die Verluste und ggf. nach entsprechenden Veränderungen in der Betriebsführung fragen. In der entsprechenden Stellungnahme sollte das Bemühen sichtbar werden, die bisherigen Ursachen für die Verluste und die entsprechenden Gegenmaßnahmen zu erläutern.

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