Viele Existenzgründer beschäftigen sich nur am Rande mit den wichtigsten Standortfaktoren, obwohl der Standort eines Unternehmens von entscheidender Bedeutung für den Erfolg ist. Stattdessen bevorzugen sie bei der Auswahl des Standorts oft den Weg des geringsten Widerstands und entscheiden sich für den Standort mit den geringsten Kosten. Das Haus der Eltern oder das eigene Wohnzimmer ist jedoch selten der richtige Standort für ein neues Unternehmen.

Inhalt:

  1. Unternehmenserfolg abhängig vom Standort
  2. Beispiele für eine Standortanalyse
  3. Standortwahl anhand „harter“ Standortfaktoren
  4. Weiche Standortfaktoren

1. Unternehmenserfolg abhängig vom Standort

Der Standort ist einer der wesentlichen Faktoren für den Erfolg eines Unternehmers und sollte daher nicht unterschätzt werden.

Zu den Standortfaktoren zählen alle Aspekte, die bei der Wahl des Standorts eines Unternehmens, einer Fabrik oder eines Shops zu berücksichtigen sind, insbesondere dessen Gegebenheiten und die nähere Umgebung. Der Standort kann sich sogar entscheidend auf die weitere Entwicklung des Unternehmens auswirken, weil die Entscheidung für einen Standort in der Regel langfristig erfolgt und ein Umzug nur mit erheblichen Kosten und Nachteilen verbunden ist.

Die Standortfaktoren betreffen nahezu alle Aspekte eines Unternehmens, wobei zwischen harten und weichen Standortfaktoren zu unterscheiden ist:

  • Zahl und Qualität der Kunden, Lieferanten und Konkurrenten;
  • Zahl und Qualifikation der Mitarbeiter;
  • Höhe der Kosten (Wareneinkauf, Miete, Löhne und Gehälter, Betriebskosten, Steuern);
  • Anbindung an Verkehr und sonstige Infrastruktur.

Daher ist es wichtig, die wichtigsten Standortfaktoren zu kennen, im Rahmen der Standortanalyse zu berücksichtigen und hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile zu analysieren.

2. Beispiele für eine Standortanalyse

Den idealen Standort gibt es nicht. Stattdessen erfolgt die Wahl des besten Standorts immer in Abhängigkeit von einer Vielzahl von Standortfaktoren, die für das Unternehmen besondere Bedeutung haben. In diesem Zusammenhang macht es auch Sinn, die wichtigsten Standortfaktoren in die Bereiche Beschaffung (Wareneinkauf, Rohstoffe), Arbeit (Angebot an qualifizierten Mitarbeitern, Niveau der Löhne und Gehälter), Produktion und Fertigung (Beschaffenheit des Grundstücks und der Gebäude, Umweltauflagen) und Vertrieb/Absatz (Kunden, Konkurrenten).

Beispiel: Eine Münchner Brauerei sucht einen neuen Standort für die Brau- und Abfüllanlagen, wo ausschließlich Bier für den Verkauf im Getränkehandel und für den Export produziert werden soll. In diesem Fall gehören die Verkehrsanbindung und das Niveau der Betriebskosten zu den entscheidenden Standortfaktoren.

Beispiel: Während ein Ladengeschäft von der Sichtbarkeit und zahlungskräftiger Laufkunden abhängig ist, ist der Facharzt (z.B. Hautarzt, Augenarzt) in einem Ärztehaus besser untergebracht als auf dem Lande. Daneben sind weitere rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten, da sich ein Unternehmen aus der Industrie beispielsweise nicht in einem Wohngebiet niederlassen darf.

3. Standortwahl anhand „harter“ Standortfaktoren

Eine Standortanalyse betrachtet in der Regel den konkreten Standort des Unternehmens und die Umgebung, die je nach Unternehmen die Strassse, das Viertel, die Stadt, eine ganze Region oder gar ein Bundesland mit einschließt. Nachfolgend sind die wichtigsten harten Standortfaktoren aufgeführt, die zu untersuchen sind:

a. Markt

Der Markt ist für jedes Unternehmen wichtig, da ohne Markt nichts zu verkaufen ist. Die Standortanalyse dreht sich daher zunächst um die wichtigste aller Fragen: „Gibt es genügend Kunden am Standort?“ Den Kreis der potentiellen Kunden sollte man nicht zu weit ziehen, in den meisten Fällen allenfalls in einem Umkreis von 5 bis 10 Minuten zu Fuß. Ist die Zahl der Kunden zufriedenstellend, sollte die Zahl und Struktur der Konkurrenten am Standort sowie deren Angebot ermittelt und analysiert werden.

b. Flächen, Büros, Laden

Gibt es am Standort genügend Flächen, Büros oder verfügbare Läden. Wer ein Betriebsgebäude kaufen oder errichten will, muss auch Fragen des Baurechts berücksichtigen, da nicht jedes Unternehmen an jedem Standort tätig werden darf.

c. Kosten

Die Kosten sind gerade bei Existenzgründern wesentlich. Hierbei geht es jedoch nicht nur um die Höhe der Mieten und Betriebskosten, sondern auch um die Höhe der Gewerbesteuer, die durch den Hebesatz einer Gemeinde wesentlich beeinflusst wird.

d. Finanzierung, Fördermittel

Besonders bei kapitalintensiven Unternehmen mit hohen Investitionen kann ein Standort auch durch regionale Fördermitteln oder besondere Finanzierungsangebote attraktiv werden, sollte jedoch niemals das allein entscheidende Kriterium sein.

e. Umgebung

Die Anlayse der Umgebung sollte sich mit folgenden Fragen beschäftigen:

  • Zahl und Qualität der Lieferanten,
  • Zahl und Qualität der Mitarbeiter,
  • Verkehrsanbindung.

4. Weiche Standortfaktoren

Neben den harten Standortfaktoren sollte sich der angehende Unternehmer auch mit den weichen Standortfaktoren beschäftigen, wobei hier der Einfluss auf den Erfolg des Unternehmers in den meisten Fällen kaum meßbar sein wird.

  • Unternehmensfreundliche Verwaltung;
  • Berater vor Ort (insbesondere Steuerberater und Rechtsanwälte);
  • Image und Lebensqualität am Standort.

Das Heft Nr. 42 aus der Reihe GründerZeiten enthält darüber hinaus eine Checkliste mit den wichtigsten Standortfaktoren für eine umfassende Standortanalyse.

Die wichtigsten Standortfaktoren
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