Unternehmer, Freiberufler und angestellte Arbeitnehmer können die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer absetzen, wenn dieses den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Betätigung darstellt oder wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Die Kosten für andere betrieblich oder beruflich genutzte Räume sind steuerlich ebenfalls unbeschränkt abziehbar, wenn sie nicht in die häusliche Sphäre eingebunden sind. Das Gleiche gilt für betrieblich oder beruflich genutzte Räume, die nicht als typisches Arbeitszimmer fungieren.

1. Kosten für häusliches Arbeitszimmer absetzen (Rechtslage seit 2007)

a) Steueränderungsgesetz 2007

Mit der Neuregelung durch das Steueränderungsgesetz 2007 vom 19.7.2006 (StÄndG, BGBl 2006 I, S. 1652) hat der Gesetzgeber die Möglichkeiten zur steuerlichen Abziehbarkeit der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer deutlich eingeschränkt. Die gesetzliche Regelung ist am 01.01.2007 in Kraft getreten. Seitdem können Unternehmen, Freiberufler und angestellte Arbeitnehmer die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer absetzen, wenn dieses den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit darstellt. Im Ergebnis konnte nur noch ein kleiner Teil der Steuerpflichtigen die Kosten für ein Arbeitszimmer absetzen.

b) Urteil des BVerfG vom 6.7.2010

Das BVerfG beurteilte die Neuregelungen des StÄndG 2007 jedoch für teilweise verfassungswidrig. Mit Urteil vom 6.7.2010 (2 BvL 13/09, BStBl. 2011 II S. 318) hob es diese für den Fall wieder auf, dass dem Steuerpflichtigen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Der Gesetzgeber wurde angewiesen, insoweit eine verfassungskonforme Neuregelung zu schaffen.

c) Aktuelle Rechtslage zum Arbeitszimmer gem. Jahressteuergesetz 2010

Mit dem Jahressteuergesetz 2010 führte der Gesetzgeber den beschränkten Abzug der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer rückwirkend ab 01.01.2007 für diejenigen Fälle wieder ein, in denen dem Steuerpflichtigen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Nach aktueller Rechtslage können selbständige Unternehmer, Freiberufler und angestellte Arbeitnehmer die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer gem. § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG wie folgt absetzen:

  • In unbeschränkter Höhe, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit bildet (1. Alt.).
  • Beschränkt auf den Betrag von EUR 1.250,00, wenn dem Steuerpflichtigen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (2. Alt.).

Von der Wiedereinführung der 2. Alt. profitieren vor allem solche Personenkreise, die ihre Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer ausüben müssen, weil ihnen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, insbesondere

  • Selbständige oder angestellte Lehrer, Dozenten und ähnliche Fälle;
  • Handelsvertreter, Vertriebsleute;
  • Berufssportler, Musiker sowie ähnliche Berufe.

Bilden andere betrieblich oder beruflich genutzte Räume eine funktionale Einheit mit dem Arbeitszimmer, sind beide Räume einheitlich zu bewerten (BFH-Urteil vom 19.9.2002, BStBl. 2003 II S. 139). Dies betrifft z.B. eine Bibliothek, einen Serverraum, ein Besprechungszimmer oder Archiv.

Liegen die o.g. Voraussetzungen nicht vor, können die Kosten für ein Arbeitszimmer jedoch steuerlich nicht mehr abgesetzt werden. Dies betrifft insbesondere die Fälle, in denen die betriebliche oder berufliche Nutzung zwar mehr als die Hälfte der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit beträgt, daneben aber ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

e) Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit

Bildet das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit, können Sie die Kosten hierfür in voller Höhe absetzen. Für diese Beurteilung ist entscheidend, ob der qualitative Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer liegt (BFH, Urteil vom 13.11.2002, BStBl. 2004 II S. 65). Dies ist der Fall, wenn die für den Betrieb oder Beruf wesentlichen und prägenden Tätigkeiten dort verrichtet werden. Die zeitliche Dauer des Aufenthalts und der Nutzung hat eine gewisse Indizwirkung, ist aber nicht entscheidend. Wird die gesamte betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich im häuslichen Arbeitszimmer ausgeübt, liegt der Fall klar. Schwieriger wird die Beurteilung, wenn ein Teil der betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit auswärts erfolgt.

Beim Handelsvertreter und bei Mitarbeitern im Außendienst befindet sich der Mittelpunkt der betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit jedenfalls außer Haus, da die Arbeit im Arbeitszimmer allenfalls vorbereitende oder unterstützende Funktion hat. (BFH, Urteil vom 13.11.2002, BStBl. 2004 II S. 62).

2. Andere betrieblich oder beruflich genutzte Räume

Aufwendungen für andere ausschließlich betrieblich oder beruflich genutzte Räume können ebenfalls in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgesetzt werden, wenn einer der folgenden Fälle vorliegt:

  • Einrichtung, Ausstattung und Funktion sind atypisch für ein Arbeitszimmer. Dies gilt selbst dann, wenn die Räume in die häusliche Sphäre eingebunden sind (z.B. Werkstatt, Lager, Ausstellungsraum, Atelier, Kanzlei eines Rechtsanwalts oder Steuerberaters, ärztliche oder ähnlich genutzte Praxisräume).
  • Räume stehen dauerhaft dem Publikumsverkehr offen oder werden durch fremde Mitarbeiter genutzt.
  • Räume, die nicht in die häusliche Sphäre eingebunden sind und keine bauliche Einheit mit den privat genutzten Räumlichkeiten bilden.
  • Betriebsstätte selbständiger Unternehmer.

Alte Rechtslage zum Arbeitszimmer bis 31.12.2006

Die alte Rechtslage galt bis 31.12.2006 und ermöglichte den unbeschränkten Abzug der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer, sofern dieses den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit darstellte (1. Alternative). Anderenfalls war der Abzug der Kosten auf EUR 1.250,00 beschränkt, sofern

  • die betriebliche oder berufliche Nutzung mehr als die Hälfte der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit betrug (2. Alternative) oder
  • für die betriebliche und berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stand (3. Alternative).

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