Der Investitionsabzugsbetrag gem. § 7g EStG ist ein Produkt der Unternehmenssteuerreform 2008 mit dem Zweck, kleinen Unternehmen die Finanzierung notwendiger Investitionen zu erleichtern. Mit dem Investitionsabzugsbetrag können begünstigte Unternehmen einen Teil ihres steuerpflichtigen Gewinns in folgende Jahre verlagern. Sofern die Investition innerhalb des gesetzlichen vorgesehenen Zeitraums getätigt wird, erfolgt im Jahr der Anschaffung oder Herstellung der begünstigten Wirtschaftsgüter die Inanspruchnahme eines Investitionsabzugsbetrags mit entsprechender Erhöhung des steuerpflichtigen Gewinns.

Inhalt:

  1. Grundlagen zum Investitionsabzugsbetrag
  2. Begünstigte Unternehmen
  3. Begünstigte Wirtschaftsgüter
  4. Investitionsfrist
  5. Höhe des Investitionsabzugsbetrags
  6. Inanspruchnahme von Investitionsabzugsbeträgen
  7. Hinzurechnung von Investitionsabzugsbeträgen und gleichzeitige Herabsetzung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten
  8. Beispiele zur Hinzurechnung von Investitionsabzugsbeträgen
  9. Rückgängigmachung von Investitionsabzugsbeträgen
  10. Rückgängigmachung von Investitionsabzugsbeträgen bei Nichteinhaltung der Verbleibens- und Nutzungsfristen
  11. Sonstige Regelungen zum Investitionsabzugsbetrag
  12. Einführung des Investitionsabzugsbetrags

1. Grundlagen zum Investitionsabzugsbetrag

Der Investitionsabzugsbetrag gem. § 7g EStG ist ein Bestandteil der Unternehmenssteuerreform 2008, mit dem die bisherigen Vorschriften zur steuerlichen Begünstigung geplanter Investitionen völlig neu gestaltet wurden. Eine wesentliche Erweiterung gegenüber der Ansparrücklage erfolgte durch die Möglichkeit zur Bildung eines Investitionsabzugsbetrages für gebrauchte Wirtschaftsgüter. Die Inanspruchnahme (Bildung) und Auflösung der Investitionsabzugsbeträge erfolgt außerhalb der Bilanz bzw. außerhalb der Gewinnermittlung. Allerdings ist eine Verschiebung des steuerpflichtigen Gewinns auf nachfolgende Wirtschaftsjahre nur noch dann möglich, wenn die Investition wie beabsichtigt tatsächlich erfolgt. 

2. Begünstigte Unternehmen

Die Bildung eines Investitionsabzugsbetrages ist Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Körperschaften (UG haftungsbeschränkt, GmbH, AG) gestattet, die mit einer werbenden Tätigkeit aktiv am wirtschaftlichen Verkehr teilnehmen. Im Falle einer Betriebsaufspaltung können sowohl das Besitzunternehmer als auch das Betriebsunternehmen einen Investitionsabzugsbetrag beanspruchen. Auch Existenzgründer bzw. Betriebe in der Eröffnungsphase sind im Sinne des § 7g Abs. 1 EStG begünstigt (BFH, Urteil vom 09.02.1093, BStBl. II S. 451). In Zweifelsfällen ist die Betriebseröffnungsabsicht durch geeignete Unterlagen glaubhaft zu machen (z.B. Kostenvoranschlag, Bestellung).

Betriebsgrößenmerkmale

Allerdings dürfen die Betriebe am Schluss des jeweiligen Abzugsjahres die folgenden Betriebsgrößenmerkmale nicht überschreiten:

Betriebsvermögen*Gewinn
Begünstigte BetriebeEuroEuro
Bilanzierende Gewerbebetriebe oder der selbständigen Arbeit dienende Betriebe (§§ 15, 18 EStG)235.000
Betriebe, die ihren Gewinn gem. § 4 Abs. 3 EStG durch Einnahmen-Überschußrechnung ermitteln100.000

* Das relevante Betriebsvermögen i.S.d. § 7g Abs. 1 EStG ist wie folgt zu ermitteln:

Anlagevermögen
+Umlaufvermögen
+Aktive Rechnungsabgrenzungsposten
=Zwischensumme
./.Rückstellungen
./.Verbindlichkeiten
./.Steuerbilanzielle Rücklagen (z.B. 6b-Rücklage)
./.Passive Rechnungsabgrenzungsposten
=Betriebsvermögen i.S.d. § 7g Abs. 1 EStG

Achtung bei Einnahmen-Überschußrechnung

Bei der Gewinnermittlung durch Einnahmen-Überschussrechnung ist der Betrag zugrunde zu legen, der sich ohne Berücksichtigung von Abzügen oder Hinzurechnungen eines Investitionsabzugsbetrages gem. § 7g Abs. 1 und Abs. 2 EStG ergibt. Dies betrifft auch Freiberufler, die ihren Gewinn unabhängig von einer Umsatz- oder Gewinnschwelle stets durch Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln.

3. Begünstigte Wirtschaftsgüter

Investitionsabzugsbeträge können für alle abnutzbaren und beweglichen Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens (§ 7g Abs. 1 Nr. 2 EStG) geltend gemacht werden. Dies gilt ebenso für geringwertige Wirtschaftsgüter. Auch für gebrauchte Wirtschaftsgüter können Investitionsabzugsbeträge geltend gemacht werden.

Immaterielle Wirtschaftsgüter (insbesondere Software) zählen allerdings nicht zu den begünstigen Wirtschaftsgütern. Für Trivialprogramme ist die Bildung des Investitionsabzugsbetrags dagegen zulässig.

Achtung bei Investitionsabzugsbeträgen für Firmenwagen

Das Wirtschaftsgut muss mindestens bis zum Ende des folgenden Jahres, das auf die Investition folgt, ausschließlich oder mindestens zu 90 % betrieblich genutzt werden. Damit fällt eine beliebte Steuergestaltung für Einzelunternehmen und Personengesellschaften weg, da für ein Pkw i.d.R. kein Investitionsabzugsbetrag mehr gebildet werden kann, wenn dieser auch privat genutzt wird. Zum einen erfüllen die wenigsten Betriebe diese Voraussetzung und zum anderen setzt dies voraus, dass für den angeschafften Firmenwagen ein Fahrtenbuch geführt wird.

4. Investitionsfrist

Das geplante Wirtschaftsgut muss innerhalb der nächsten drei Jahre angeschafft oder hergestellt werden (= Investitionsfrist). Bis 2006 betrug die Investitionsfrist zwei Jahre, im Falle eines Existenzgründers sogar fünf Jahre.

5. Höhe der Investitionsabzugsbeträge

Es können höchstens 40 % der tatsächlichen Aufwendungen für begünstigte Wirtschaftsgüter berücksichtigt werden, die innerhalb der dreijährigen Investitionsfrist angeschafft oder hergestellt werden.

In der Summe können begünstigte Betriebe Investitionsabzugsbeträge bis zu 200.000 Euro in Anspruch nehmen.

6. Inanspruchnahme von Investitionsabzugsbeträgen

Investitionsabzugsbeträge können ohne weitere Angaben im Rahmen der Steuererklärung geltend gemacht werden. Eine Glaubhaftmachung oder der Nachweis einer Investitionsabsicht ist nicht erforderlich.

7. Hinzurechnung von Investitionsabzugsbeträgen und gleichzeitige Herabsetzung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten

Wird das begünstigte Wirtschaftsgut innerhalb des Investitionsfrist angeschafft oder hergestellt, gilt gem. § 7g Abs. 2 EStG folgendes:

a) Gewinnerhöhende Hinzurechnung außerhalb der Gewinnermittlung

Der Gewinn des Wirtschaftsjahres, in dem ein oder mehrere begünstigte Wirtschaftsgüter angeschafft oder hergestellt werden, kann um 40 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten erhöht werden (Hinzurechnung von Investitionsabzugsbeträgen). Die Hinzurechnung ist jedoch gedeckelt auf die Summe aller geltend gemachten und bislang noch nicht hinzugerechneten oder rückgängig gemachten Investitionsabzugsbeträge.

Es handelt sich um ein Wahlrecht dahingehend, ob und in welchem Umfang in Anspruch genommene Investitionsabzugsbeträge den Investitionen im jeweiligen Wirtschaftsjahr zugeordnet werden. In diesem Sinne ist bei der Hinrechnung anzugeben, welche Investitionsabzugsbeträge für die Hinzurechnung verwendet werden (Abzugsjahr, Höhe).

b) Minderung der Anschaffungskosten oder Herstellungskosten

Zum Ausgleich der Gewinnerhöhung durch die Hinzurechnung von Investitionsabzugsbeträgen können die jeweiligen Anschaffungs- oder Herstellungskosten im Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung um bis zu 40 % gewinnmindernd reduziert werden. Die Minderung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten ist gedeckelt auf den Betrag der Hinzurechnung, der diesem Wirtschaftsgut zugeordnet wurde. Der Kürzungsbetrag ist im Rahmen der Buchführung zu erfassen.

Durch diese Herabsetzung vermindert sich die Bemessungsgrundlage für die weiteren Abschreibungen für dieses Wirtschaftsgut. Ferner kann die Kürzung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten dazu führen, dass die Regelungen zu geringwertigen Wirtschaftsgütern gem. § 6 Abs. 2 EStG oder § 6 Abs. 2a EStG zur Anwendung kommen, wenn die dort genannten Grenzen unterschritten werden.

8. Beispiele zur Hinzurechnung von Investitionsabzugsbeträgen

Folgende Beispiele zur Hinzurechnung von Investitionsabzugsbeträgen illustrieren verschiedene Möglichkeiten:

a) Tatsächliche Investitionen entsprechen den prognostizierten Anschaffungs- oder Herstellungskosten

Entsprechen die tatsächlichen Investitionen den prognostizierten Anschaffungs- oder Herstellungskosten, ergeben sich bei maximaler Minderung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten im Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung keine Auswirkungen auf den Gewinn. Die gewinnerhöhende Hinzurechnung außerhalb der Gewinnermittlung wird durch die gewinnmindernde Kürzung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten vollständig kompensiert.

b) Tatsächliche Investitionen sind höher als die prognostizierten Anschaffungs- oder Herstellungskosten

Sind die tatsächlichen Investitionen höher als die prognostizierten Anschaffungs- oder Herstellungskosten, hat dies keinen Einfluss auf den Gewinn in dem Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung. Die Minderung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten darf nicht höher sein als der tatsächlich gebildete Investitionsabzugsbetrag.

c) Tatsächliche Investitionen sind niedriger als die prognostizierten Anschaffungs- oder Herstellungskosten

Sind die tatsächlichen Investitionen niedriger als die prognostizierten Anschaffungs- oder Herstellungskosten, ist die Hinzurechnung auf maximal 40 % der (geringeren) Anschaffungs- oder Herstellungskosten begrenzt.

Verbleibende Investitionsabzugsbeträge sind spätestens nach Ablauf des Investitionszeitraums rückwirkend im Ursprungsjahr (= Wirtschaftsjahr der Bildung des Investitionsbetrag) gewinnerhöhend rückgängig zu machen. Auf die Steuernachforderung infolge der Rückgängigmachung von Investitionsabzugsbeträgen werden Nachforderungszinsen in Höhe von 0,5 % pro Monat ab dem 15 Monat nach dem Ursprungsjahr berechnet (§ 7g Abs. 3 EStG).

9. Rückgängigmachung von Investitionsabzugsbeträgen bei Ausbleiben der Investitionen

Für den Fall, dass die beabsichtigten Investitionen innerhalb der Investitionsfrist vollständig ausbleiben, sind die entsprechenden Investitionsabzugsbeträge im jeweiligen Ursprungsjahr vollständig rückgängig zu machen. Dies führt zu einer entsprechenden Gewinnerhöhung und Steuernachforderung im Ursprungsjahr. Infolgedessen ist genau die ursprünglich gesparte Ertragsteuer nachzuzahlen (§ 7g Abs. 3 EStG).

Werden die beabsichtigten Investitionen mit entsprechender Hinzurechnung gem. § 7g Abs. 2 EStG nicht oder nicht in vollem Umfang innerhalb des dreijährigen Investitionszeitraums getätigt, sind „insoweit“ noch vorhandene Investitionsabzugsbeträge bei der Veranlagung für das Wirtschaftsjahr rückgängig zu machen, in dem der Abzug erfolgte. Darüber hinaus können Investitionsabzugsbeträge auf Antrag auch vorzeitig teilweise oder ganz rückgängig gemacht werden (§ 7g Abs. 3 S. 1 EStG).

10. Rückgängigmachung von Investitionsabzugsbeträgen bei Nichteinhaltung der Verbleibens- und Nutzungsfristen

Wird das Wirtschaftsgut nach Anschaffung oder Herstellung nicht bis zum Ende des folgenden Wirtschaftsjahres in einer inländischen Betriebsstätte des Betriebes ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt (Verbleibens- und Nutzungsfristen), ist die Hinzurechnung gem. § 7g Abs. 2 EStG rückgängig zu machen (§ 7g Abs. 4 S. 1 EStG). Geringwertige Wirtschaftsgüter sind aus Vereinfachungsgründen von dieser Regelung ausgenommen.

Eine schädliche Verwendung des Wirtschaftsguts i.S.d. § 7g Abs. 4 EStG liegt insbesondere in folgenden Fällen vor:

  • Das betreffene Wirtschaftsgut scheidet vor dem Ende des folgenden Wirtschaftsjahres aus dem begünstigten Betrieb aus oder wird dort nicht mehr zu mindestens 90 % betrieblich genutzt.
  • Private Nutzung eines Firmenwagens unter Anwendung der 1%-Regelung.
  • Das betreffende Wirtschaftsgut wird einem anderen für mehr als 3 Monate entgeltlich oder unentgeltlich zur Nutzung überlassen, z.B. im Rahmen einer längerfristigen Vermietung. Ausgenommen ist der Fall der Betriebsaufspaltung.
  • Begünstigter Betrieb wird vor dem Ende des folgenden Wirtschaftsjahres veräußert oder aufgegeben.

Im Falle eines Firmenwagens ist der Umfang der betrieblichen Nutzung im maßgebenden Zeitraum durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nachzuweisen. Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte sowie Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung sind der betrieblichen Nutzung zuzurechnen.

Im Falle einer schädlichen Verwendung des Wirtschaftsguts ist die erfolgte Hinzurechnung des entsprechenden Investitionsabzugsbetrags sowie die insoweit beanspruchte Minderung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten rückgängig zu machen. Die Steuerfestsetzung für das entsprechende Wirtschaftsjahr ist nachträglich zu ändern.

Ist die dreijährige Investitionsfrist zum Zeitpunkt der Rückgängigmachung noch nicht abgelaufen, können die betreffenden Investitionsabzugsbeträge auf Antrag gem. § 7g Abs. 3 EStG vorzeitig rückgängig gemacht oder für eventuelle künftige Investitionen verwendet werden.

11. Sonstige Regelungen zum Investitionsabzugsbetrag

Der Investitionsabzugsbetrag wird außerhalb der Bilanz vom Gewinn abgezogen.

Wie bisher kann auch dann ein Investitionsabzugsbetrag gebildet werden, wenn dadurch ein Verlust entsteht oder sich erhöht (§ 7g Abs. 1 Satz 3 EStG).

12. Einführung des Investitionsabzugsbetrags

Ein Investitionsabzugsbetrag konnte erstmals für Wirtschaftsjahre gebildet werden, die nach Veröffentlichung der Unternehmenssteuerreform 2008 am 18.08.2007 endeten. Der Investitionsabzugsbetrag konnte also erstmals im Wirtschaftsjahr 2007 gebildet werden für Investitionen, die ab 2008 geplant waren (§ 52 Abs. 23 EStG).