Die Ausgangsbasis für eine erfolgreiche Existenzgründung in Deutschland ist vergleichsweise gut. Die meisten Existenzgründer denken positiv und sehen vor allem die Chancen und Vorteile der Selbständigkeit. Zum großen Teil treffen sie ihre Entscheidung aus voller Überzeugung. Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit oder mangels anderer Alternativen sind in den letzten Jahren zahlenmäßig eher gesunken. Die Bürokratie in Deutschland stellt für viele immer noch eine große Hürde auf dem Weg in die Selbständigkeit dar.

Inhalt:

  1. Deutschland braucht Unternehmer
  2. Analysen zum Gründergeschehen in Deutschland
  3. Vorlieben und Ziele der Existenzgründer
  4. Der Businessplan zur Existenzgründung
  5. Häufige Fehler bei der Existenzgründung
  6. 10 Wege in die Selbständigkeit
  7. Freiberufler in Deutschland
  8. Start-ups in Deutschland
  9. Frauen als Existenzgründerinnen
  10. Migranten als Existenzgründer
  11. Nebenberuflich selbständig
  12. Bürokratie als Standortnachteil
  13. Gründungsoffensive in Deutschland
  14. Existenzgründung nach Checkliste
  15. Starthilfen und Förderangebote nutzen
  16. Fußnoten und weiterführendes Material

1. Deutschland braucht Unternehmer

Deutschland ist arm an Rohstoffen. Umso mehr ist unser Land auf innovative und erfolgreiche Erfinder und Unternehmer angewiesen, deren Geschäftsideen international wettbewerbsfähig sind oder gar die Meßlatte bilden. Junge Unternehmen mit neuen Ideen und Produkten sind gerade für die Exportnation Deutschland unverzichtbar. Sie schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze und sorgen für Wettbewerb, Fortschritt, Stabilität und Wachstum. Der über viele Jahre rückläufige Trend beim Gründergeschehen in Deutschland muss dringend umgekehrt werden. Ohne die Migranten aus der Europäischen Union sähe die Situation in Deutschland sogar noch bedrückender aus. Die Gründungsoffensive der Bundesregierung ist für eine Trendumkehr sicher nicht ausreichend.

2. Analysen zum Gründergeschehen in Deutschland

Der jährliche DIHK-Gründerreport auf Basis der Erfahrungsberichte der IHK-Gründungsberater liefert regelmäßig wichtige Einsichten in das Gründergeschehen in Deutschland. Der Report 2019 dokumentierte erneut ein großes Interesse junger Menschen an einer Existenzgründung. Gleichzeitig wird auf die sinkende Zahl bei den tatsächlich realisierten Existenzgründungen hingewiesen.

German Angst

Insgesamt entscheiden sich in Deutschland mehr Menschen für den „sicheren Arbeitsplatz“ und gegen das Risiko der Selbständigkeit. Die Angst vor dem Scheitern und den hieraus entstehenden finanziellen Belastungen (German Angst) ist einer der entscheidenden Gründe. Die demographische Entwicklung in Deutschland ist in diesem Zusammenhang nicht zu unterschätzen. Mit der zunehmenden Alterung der Gesamtbevölkerung sinkt auch die Dynamik und Risikobereitschaft der Menschen.

Der Gründergeist wurde durch die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise von 2007 bis 2009 merklich geschwächt. Sehr wahrscheinlich wird die aktuelle Corona-Krise in 2020 einen ähnlichen Effekt auf das zukünftige Gründergeschehen in Deutschland haben. Für den positiven Trend bei den Start-ups in Deutschland wäre das fatal.

Gute und schlechte Standortfaktoren

Mit den folgenden Standortfaktoren sind Existenzgründer in Deutschland mehrheitlich zufrieden:

  • Infrastruktur (Räume, Personal, Berater);
  • Schutz geistigen Eigentums (Patente, Markenrechte);
  • Öffentliche Förderprogramme;
  • Lebensqualität;
  • Existenzgründer-Netzwerke.

Die Bürokratie in Deutschland wird sehr häufig als entscheidende Hürde auf dem Weg in die Selbständigkeit angesehen.

Regionale Besonderheiten

Unter den Großstädten hat Berlin gegenüber Hamburg und München vor allem Kostenvorteile. Knapp zwei Drittel der Existenzgründer in Berlin sehen keinen Grund zu klagen. In Hamburg ist es nur jeder Zweite und in München gerade einmal jeder Vierte. Noch deutlicher wird das Bild beim Blick auf die eigenen Lebenshaltungskosten. In Berlin sind fast alle Existenzgründer mit den Lebenshaltungskosten zufrieden. In Hamburg können das nur knapp 60% bestätigen. München liegt in diesem Punkt mit rund 10% weit abgeschlagen hinten. Dies ist einer der Gründe, warum Berlin Deutschlands Gründerzentrum ist.

Steigender Finanzierungsbedarf

Der erforderliche Kapitaleinsatz zur Finanzierung der Existenzgründung ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Durchschnittlich liegt der Kapitalbedarf noch unter 20.000 Euro. Drei Viertel aller Existenzgründer realisieren ihr Gründungsvorhaben ausschließlich mit eigenen Sach- oder Finanzmitteln. Wer auf externe Mittel angewiesen ist, hat meist einen deutlich höheren Finanzierungsbedarf. Für rund die Hälfte dieser Existenzgründer sind Familie und Freunde erste Anlaufstellen. Etwa ein Viertel des Finanzierungsbedarfs wird aus dem näheren sozialen Umfeld gedeckt. Banken, Sparkassen und andere Kreditinstitute finanzieren im Schnitt etwa die Hälfte des Kapitalbedarfs mittels Darlehen. Ein Fünftel stammt von Förderbanken, bei denen sog. Förderkredite beantragt werden. Finanzierungsgespräche mit Banken sind mit einem Businessplan gut vorzubereiten. Bei einer Ablehnung muss das nicht zwingend am Gründer oder an der Geschäftsidee liegen.

3. Vorlieben und Ziele der Existenzgründer

Der weit überwiegende Teil der Existenzgründer sieht die Chancen und Vorteile der Selbständigkeit gegenüber einer Anstellung in einem anderen Unternehmen. Neben der Unabhängigkeit spielt die Aussicht auf persönliche, berufliche und finanzielle Freiheit eine große Rolle.

Die Bereiche Handel und Dienstleistungen sind nach wie vor am beliebtesten. Hier lassen sich Geschäftsideen relativ schnell und mit vergleichsweise wenig Kapital realisieren. Sehr beliebte Branchen sind

  • Informations- und Kommunikationstechnologie;
  • Ernährung und Nahrungsmittel (Konsum);
  • Medizin und Gesundheitswesen.

Erfolgversprechende Geschäftsideen verbinden innovative und praxistaugliche Lösungen mit den Trends der Zukunft. Diesbezüglich sind vor allem Themen wie Digitalisierung, Automatisierung, Nachhaltigkeit oder Klimawandel zu nennen. Auch soziale und ökologische Themen haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Jedes 10. junge Unternehmen ist bereits ein Sozialunternehmen, bei dem ein soziales oder ökologisches Unternehmensziel verfolgt wird.

Beliebte Standorte sind die Metropolregionen Berlin, Rhein-Ruhr, Hamburg, Suttgart-Karlsruhe und München.

Infografik: Wo am häufigsten gegründet wird | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Die meisten Existenzgründer sind Einzelgänger. Am häufigsten erfolgt die Realisierung durch Gründung einer GmbH oder eines Einzelunternehmens. Gründerteams in der Rechtsform einer GmbH oder einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) finden sich meistens in Berlin zusammen.

4. Der Businessplan zur Existenzgründung

Ein Businessplan ist der Grundstein für die erfolgreiche Existenzgründung. Es ist immer wieder zu lesen, dass ein Businessplan nur für potentielle Investoren oder Kreditgeber geschrieben wird. Bisweilen wird auch darauf verwiesen, dass der klassische Businessplan in Zeiten von Crowdfunding, Pitch-Veranstaltungen und Start-up-Fernsehen schon aus der Mode ist. Solchen Zweifeln kann man nur mit einem klaren Plädoyer für den Businessplan begegnen. Für die detaillierte und strukturierte Beschreibung des zukünftigen Unternehmers und der Geschäftsidee muss man sich über das eigene Konzept völlig im Klaren sein. Diese Klarheit kann einen vor den häufigsten Fehlern bei der Existenzgründung bewahren.

Professionelle Muster und Vorlagen für verschiedene Branchen und Berufe erleichtern die Arbeit an einem Businessplan ungemein. Daher sollte man auch nicht zögern, vorgefertigte Businesspläne zu verwenden und an das eigene Vorhaben anzupassen. Für einen ungeübten Existenzgründer ist es eine enorme zeitliche und fachliche Herausforderung, ohne Vorlage einen Businessplan zu schreiben.

Formblitz-Businessplan-Vorlagen

5. Häufige Fehler bei der Existenzgründung

Zu den häufigsten Fehlern bei der Existenzgründung gibt es bereits einen großen Fundus an Recherchen, Analysen und Veröffentlichungen. Leider kommen sie alle zu ähnlichen Ergebnissen:

  1. Mangelhafte Ausbildung und/oder berufliche Qualifikation.
  2. Unzureichende Planung der Existenzgründung.
  3. Kein ausreichendes Eigenkapital und/oder Finanzierungslücken.
  4. Zu wenig oder fehlerhafte Informationen über den Markt, die Branche und Konkurrenten.
  5. Falsche Einschätzung der eigenen Betriebsergebnisse.
  6. Familiäre Probleme und
  7. sonstige unvorhergesehene äußere Einflüsse.

Diese Liste würde ich auf Basis meiner Erfahrungen um folgende Punkte ergänzen:

  1. Zu hohe Kosten zu Beginn der Existenzgründung.
  2. Fehlende bzw. falsche Partner.
  3. Schlechte und/oder zu teure Berater vor und während der Existenzgründung.
  4. Tanz auf zu vielen Hochzeiten.

Vereinfacht ausgedrückt scheitern die meisten Existenzgründer an einer falschen Markteinschätzung, die sich bei den Einnahmen und/oder bei den Ausgaben offenbart.

6. Zehn Wege in die Selbständigkeit

Neben der Unternehmensgründung mit einer neuen Geschäftsidee gibt es in Deutschland noch weitere Wege in die Selbständigkeit. Eine zunehmende Beliebtheit zeigte sich in den vergangenen Jahren bei der Existenzgründung als Freiberufler. In den Bereichen IT, Software-Entwicklung oder Online-Marketing ist es inzwischen weit verbreitet, dass sich Ingenieure, Software-Entwickler oder Marketingfachleute als freie Mitarbeiter (Freelancer) für Projekte auf bestimmte Zeit bewerben. Die Stellen werden über diverse Freelancer-Börsen angeboten. Unverändert ist der hohe Anteil der Gründer im Nebenerwerb, die sich mit einer Geschäftsidee zunächst in Teilzeit selbständig machen. Etablierte Geschäftskonzepte zum Geld verdienen finden Existenzgründer über die einschlägigen Franchise-Portale. Deutlich seltener ist dagegen die Übernahme eines bestehenden Unternehmens im Wege des Unternehmenskaufs, der Unternehmenspacht oder im Rahmen einer vorweggenommenen Erbfolge. Ähnlich funktioniert der Einstieg in ein Unternehmen als (weiterer) Gesellschafter einer Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft (GmbH, UG haftungsbeschränkt). Vertriebsprofis mit guten Kontakten in ihrer Branche haben auch gute Erfolgsaussichten als selbständige Handelsvertreter.

7. Freiberufler in Deutschland

Die Zahl der Selbständigen in den freien Berufen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das Institut für Freie Berufe bezifferte die Zahl der selbständigen Freiberufler zu Beginn des Jahres 2019 mit rund 1.432.000. In Deutschland ist also etwa jeder dritte Selbstständige in den Freien Berufen tätig. In den vergangenen 5 Jahren hat sich die Zahl der Selbstständigen in den Freien Berufen um rund 125.000 erhöht. Das ist ein positives Wachstum von rund 10%. In einer zunehmend komplizierten Welt sind es die Freiberufler, die Unternehmen und Privatleuten Orientierung, Unterstützung und fachliche Beratung anbieten.

Die größte Gruppe unter den Freiberuflern bilden die Heilberufe (rund 30%), gefolgt von den rechts-, wirtschafts- und steuerberatenden Berufen (ca. 28%) und den kulturellen Berufen (ca. 25%). Der geringste Anteil entfällt auf die technischen und naturwissenschaftlichen Berufe (ca. 20%). Der Anteil der Frauen unter den selbstständigen Freiberuflern ist in den meisten Berufsgruppen weitgehend stabil geblieben.

Ein großer Teil der Freiberufler lebt von dem erlernten Wissen oder einer besonderen Begabung, die ohne große Investitionen am Markt angeboten werden können. Der Erfolg hängt entscheidend vom fachlichen Können und von dem Geschick ab, wie man mit anderen Menschen umgehen kann.

Die Motive für eine Existenzgründung in einem freien Beruf sind recht unterschiedlich. Der häufig genannte Wunsch nach einer flexiblen, selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Tätigkeit lässt sich als selbständiger Freiberufler am ehesten verwirklichen.

8. Start-ups in Deutschland

Start-ups sind junge, gewerblich orientierte Unternehmen, die im Team oder mit angestellten Mitarbeitern gegründet werden. Inhaltlich stehen neue Technologien und Geschäftsideen mit großem Wachstumspotential im Vordergrund. Google, Amazon und Facebook sind hierfür die besten Beispiele. Deren Gründer gehören schon heute zu den erfolgreichsten Unternehmern der Welt. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Robotik und Biotechnologie sind die aktuellen Trends, in denen sich die Stars von morgen bewegen. Dominierend sind Geschäftsmodelle zur Aufbereitung großer Datenmengen (Big Data) und internetbasierte Plattformen, auf denen sich Angebot und Nachfrage zusammenführen lässt. Ein weiterer starker Trend sind Online-Shops (E-Commerce).

Die Zahl der Start-ups hat sich in Deutschland positiv entwickelt. Der KfW-Gründungsmonitor bezifferte ihre Zahl in 2018 auf rund 70.000. Der typische Startup-Gründer ist männlich, jung, technikaffin und besitzt eine akademische Ausbildung. Frauen sind mit leicht ansteigender Tendez eher unterrepräsentiert.

Infografik: Digitale Gründer sind meist jung, männlich und umsetzungsorientiert | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Die positive Entwicklung der Start-ups hat für den Wirtschaftsstandort Deutschland eine große Bedeutung. Sie schaffen lt. DSM 2019 im Schnitt mehr als 13 Arbeitsplätze und beurteilen ihre Geschäftsaussichten entgegen dem allgemeinen Trend auch in der Zukunft sehr positiv.

Für Start-ups ist der Zugang zu Wagniskapital von immenser Bedeutung. Klassische Formen der Finanzierung sind in den meisten Fällen nicht mehr anwendbar. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft immer noch eine große Lücke. Hinsichtlich der Quantität der Wagniskapitalgeber besteht in Deutschland noch enormer Nachholbedarf. Berlin hat in den vergangenen Jahren einiges richtig gemacht und konnte sich so als europäische Startup-Metropole etablieren.

Infografik: Berlin schon vor dem Brexit Europas Start-up-Hauptstadt | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

9. Frauen als Existenzgründerinnen

Der Anteil der Frauen an den gewerblichen Existenzgründungen in Deutschland hat sich bei rund 40% stabilisiert. Bei den freien Berufen liegt der Anteil der Frauen sogar über 50%.

Die Aussicht auf mehr Unabhängigkeit ist ein entscheidender Aspekt für die Gründungsentscheidung von Frauen. Sie sehen in der Selbständigkeit mehr Chancen, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Die Informations- und Beratungsangebote für Frauen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Ein perfekter Einstieg ist das Portal unter existenzgruenderinnen.de. Einen guten Überblick über die Netzwerke und Initiativen für Frauen findet man im GründerZeiten-Heft 03.

10. Migranten als Existenzgründer

Migranten leisten in Deutschland einen überdurchschnittlichen Beitrag zum Gründergeschehen. Der Wunsch und die Neigung zu beruflicher Selbständigkeit ist bei ihnen stark ausgeprägt. Andererseits gründen sie oft mangels gleichwertiger Alternativen, da vielen Migranten der Zugang zum regulären Arbeitsmarkt mangels anerkanntem Berufsabschluss versperrt ist. Vermutlich sind auch unzureichende Deutschkenntnisse ursächlich.

11. Nebenberuflich selbständig

Nebenberufliche Existenzgründer machen jedes Jahr gut die Hälfte aller gewerblichen Unternehmensgründungen aus. Dies ist eine zentrale Erkenntnis aus der Studie „Beweggründe und Erfolgsfaktoren bei Gründungen im Nebenerwerb“, die im Auftrag des BMWi vom Institut für Mittelstandsökonomie an der Universität Trier („inmit“) erstellt wurde.

Für viele Existenzgründer ist die nebenberufliche Selbständigkeit ein notwendiger Zwischenschritt, um das Leben als Unternehmer und die Geschäftsidee am Markt zunächst zu testen. Nicht wenige nebenberufliche Existenzgründer suchen auch nur eine zusätzliche Erwerbsquelle zum bisherigen Einkommen. Frauen nutzen die Chance, um die Selbständigkeit mit der Familie zu vereinbaren.

Typische nebenberufliche Tätigkeiten sind Dienstleistungen mit wenig Kapitalbedarf zur Unternehmensgründung. Unternehmensberatung und Werbung (IT, Software, Webseiten, Social Media) sind hierfür ideal. Freiberufliche Tätigkeiten sind überdurchschnittlich häufig vertreten.

Wer sich nebenberuflich selbständig macht, muss meistens verschiedene Pflichten, Aufgaben und Interessen und einen Hut bringen. Das erfordert ein gutes Zeitmanagement, eine hohe Organisationsfähigkeit und flexible Arbeitszeiten. In rechtlicher Hinsicht sind wichtige Vorgaben aus dem Arbeitsrecht, Sozialversicherungsrecht und Steuerrecht zu beachten.

12. Bürokratie als Standortnachteil

Häufig verweisen Existenzgründer und junge Unternehmer auf die Bürokratie in Deutschland, die als entscheidende Hürde auf dem Weg in die Selbständigkeit angesehen wird. Im internationalen Vergleich ist die Vielzahl der Gesetze und die Arbeit der Behörden ein Standortnachteil. Im Einzelnen wird auf schwierige Formulare, zu komplizierte und lange Genehmigungsverfahren oder intransparente Antragswege verwiesen.

Laut World Bank dauert es in Deutschland durchschnittlich 8 Tage, um ein Unternehmen zu gründen. Wie die nachfolgende Infografik zeigt, geht das in anderen Ländern deutlich schneller.

Infografik: Deutschland - von 0 auf CEO in 8 Tagen | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Nach der Gründung und Anmeldung des Unternehmens treten die Anforderungen aus dem Steuerrecht in den Vordergrund. In diesem Bereich sind nahezu alle Unternehmer auf die professionelle Hilfe eines Steuerberaters angewiesen. Arbeitgeber müssen im Schnitt etwa 5 Stunden ihrer Arbeitszeit pro Woche zur Erfüllung bürokratischer Anforderungen einsetzen. Eine relativ neue Hürde ist die EU-Datenschutzgrundverordnung, die auch bestehenden Unternehmen viel Kopfzerbrechen bereitet.

In den letzten Jahren hat die Deutsche Rentenversicherung mit folgenden Themen zusätzlichen Druck auf Unternehmen ausgeübt:

Darüber hinaus wünschen sich Existenzgründer in Deutschland folgende Verbesserungen, um den Einstieg in die Selbständigkeit zu erleichtern:

  • Abbau der Steuerbelastung;
  • Einfacherer Zugang zu öffentlichen Fördermitteln;
  • Verbesserung der IT-Infrastruktur, insbesondere schnelles Internet in der Fläche;
  • Mehr Angebote zur Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie;
  • Besserer Zugang zu Fremdkapital, vor allem zu Beteiligungskapital und Investoren;
  • Besserer Zugang zu gut qualifizierten Fachkräften.

Marginale Verbesserungen brachte das Bürokratieentlastungsgesetz III.

13. Gründungsoffensive in Deutschland

Ende 2018 hat die Bundesregierung gemeinsam mit mehreren Partnern eine Gründungsoffensive gestartet, um wieder mehr junge Menschen zu einer Existenzgründung in Deutschland zu motivieren und hierbei zu unterstützen. Gefördert wird die Gründungsoffensive von der DIHK, dem Zentralverband des Deutschen Handwerks, dem Bundesverband der Deutschen Industrie und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. In einer Broschüre zur Gründungsoffensive erklärt der Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier, welche Punkte besonders wichtig sind.

  1. Gründergeist stärken, Kompetenzen vermitteln.
  2. Gründungsumfeld verbessern.
  3. Unternehmensnachfolgen erleichtern.
  4. Mehr Frauen für die Selbständigkeit gewinnen.
  5. Passgenaue Finanzierungsinstrumente anbieten.
  6. Mehr Wagniskapital für Start-ups bereitstellen.
  7. Start-ups und Mittelstand enger vernetzen.
  8. Internationale Kooperationen von Start-ups fördern.
  9. Unternehmerische Kompetenz von Migranten stärken.
  10. Soziales Unternehmertum stärker fördern.

Leider lassen die Überschriften erkennen, dass eine bedeutende Diskrepanz zwischen den Wünschen der Existenzgründer und den Schwerpunkten der Gründungsoffensive besteht. Während sich Existenzgründer und junge Unternehmer vor allem den Abbau der Bürokratie wünschen, ist dies allenfalls ein untergeordneter Punkt der Gründungsoffensive.

Die Ergebnisse einer Untersuchung des Europäischen Parlaments aus dem Jahre 2014 zeigen, dass Deutschlands Jugendliche wenig Lust zu einer Existenzgründung verspüren. Die Umfrage liegt schon ein paar Jahre zurück, aber an den Ergebnissen hat sich seitdem wenig geändert. Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland sogar besonders schlecht ab. Die gute Beschäftigungslage in Deutschland kann man sicherlich als eine der Ursachen anführen.

Infografik: Deutschlands Jugend mit wenig Unternehmergeist | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

14. Existenzgründung nach Checkliste

Eine Existenzgründung ist eine komplexe Angelegenheit mit vielen Variablen und unterschiedlichen Personen. Es ist daher zu empfehlen, für den gesamten Gründungsprozeß eine Checkliste vorzubereiten und zu befolgen. Dies erleichtert und beschleunigt den Weg in die Selbständigkeit ungemein.

Der Ablauf lässt sich in drei Phasen einteilen. In der Orientierungsphase werden Geschäftsidee und die hierzu erforderlichen Voraussetzungen analysiert und optimiert. Während der Planungsphase wird in erster Linie an dem Businessplan und an dem idealen Finanzierungsmix gearbeitet. Die Umsetzungsphase hat die Realisierung des Gründungsvorhabens zum Ziel.

15. Starthilfen und Förderangebote nutzen

Die Vielzahl an Online-Informationen, Starthilfen, Förderangeboten und Gründernetzwerken gehören zu den positiven Standortfaktoren Deutschlands.

Online-Informationen zur Existenzgründung sind sehr vielseitig. Einen guten Überblick über die besten Links für Existenzgründer habe ich hier zusammengestellt.

Professionelle Muster und Vorlagen sind für Existenzgründer sehr hilfreich. Das Formblitz-Dokumenten-Paket enthält einen Businessplan, Checklisten rund um die Planung der Existenzgründung sowie zahlreiche Ratgeber und Briefvorlagen. So spart man sich viel Ärger, Zeit und Geld mit dem Suchen im Internet.

Formblitz-Existenzgründer-Paket

Die lokalen Industrie- und Handelskammern bieten für Existenzgründer und junge Unternehmen viele hilfreiche Starthilfen. Empfehlenswert sind die IHK-Gründungsseminare und die spezielle IHK-Gründungsberatung bei einem Experten vor Ort. Die Adressen aller IHKs findet man unter dihk.de. Die Handwerkskammern sind ähnlich organisiert und speziell auf die Handwerksberufe fokussiert. Die Adressen aller Handwerkskammern findet man unter zdh.de.

Fördermittel für Existenzgründer und junge Unternehmer spielen eine wichtige Rolle im Finanzierungsmix einer Existenzgründung. Sie lassen sich in die Bereiche Beratung, Schulung, Coaching und finanzielle Förderung. Unter diesem Link habe ich einen Überblick über die wichtigsten Angebote in Deutschland zusammengestellt.

16. Fußnoten und weiterführendes Material

Nachfolgend habe ich einige Artikel und Studien über das Thema Existenzgründung in Deutschland zusammengestellt, die in meinen Artikel eingeflossen sind.

Deutscher Startup Monitor

Deutscher Startup Monitor 2019 (Download hier möglich)

Gründungsoffensive des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

Die Gründungsoffensive des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt den Schritt in die Selbständigkeit. Für einen neuen Gründergeist. Für mehr Gründungen. Gut für Deutschland.

IfM Bonn: Existenzgründungen von Frauen (2019)

Frauen sind im Gründungsgeschehen in Deutschland unterrepräsentiert. Dieser Trend hat sich in jüngerer Vergangenheit wieder verstärkt. Analysen auf Basis der Gewerbeanzeigenstatistik zeigen, dass dies zum einen darauf zurückzuführen ist, dass die Gründungsneigung von Frauen noch stärker als die der Männer zurückgegangen ist.

DIHK-Gründerreport 2019

Die 2019er-Umfrage der DIHK zum Thema zeigt, dass sich immer mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit vorstellen können. Es hapert nur an der Umsetzung. So steht der DIHK-Gründerreport 2019, der auf mehr als 200.000 Kontakten im Jahr 2018 fußt, auch unter der Überschrift „Trotz regen Gründungsinteresses – der Funke zündet nicht“.

KfW-Research Startup-Report 2019

Zahl der Start-ups in Deutschland steigt weiter. Zahl innovations- oder wachstumsorientierter junger Unternehmen in Deutschland ist erneut gestiegen. Im Jahr 2018 gab es 70.000 Start-ups nach 60.000 im Jahr zuvor. Im Schnitt weisen 9 von 100 Existenzgründungen von Männern Start-up-Merkmale auf, bei Frauen sind es nur 3 von 100. Die größten Unterschiede zwischen Gründungen von Frauen und Männern gibt es bei den Merkmalen der Innovations- und Wachstums­orientierung. Geeignete Maßnahmen, um die Gender-Lücke zu verringern, sind beispielsweise Frauen noch stärker für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu gewinnen oder unternehmerische Kenntnisse bereits in der Schule zu vermitteln.

KfW-Research Nr. 275 Gründungsfinanzierung im Wandel: Finanzierungsmix verändert sich deutlich

Im langjährigen Durchschnitt nutzen regelmäßig 20 bis 25 % der Existenzgründer Finanzmittel externer Kapitalgeber. Welche Finanzierungs­quellen dabei genutzt werden, hat sich allerdings sichtbar geändert. Banken und Sparkassen treten seltener als Kapitalgeber auf, Familie und Freunde dagegen umso häufiger. Diese Entwicklung war so nicht zu erwarten. Denn die Zusammensetzung der Gründungstätigkeit verschob sich hin zu mehr Chancen­gründungen, also Gründungen, die eher eine häufigere Kreditnutzung erwarten ließ. Die Veränderungen im Finanzierungsmix deuten daher an, dass die Finanzierung für Existenzgründungen kommender Jahre herausfordernder werden wird.

KfW-Research Nr. 240 Migranten haben größeren Wunsch nach Selbständigkeit

Migranten sind überdurchschnittlich gründungsaktiv. Zum einen ist unter Migranten der Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit stärker, zum anderen haben sie im Mittel schlechtere Berufsabschlüsse und dadurch schlechtere Arbeitsmarktchancen. Migranten gründen außerdem anders: mit mehr Mitarbeitern und einem Branchenschwerpunkt in den persönlichen Dienstleistungen. Bestimmte Gründungsprobleme, etwa bei der Finanzierung, nehmen sie stärker wahr. All diese Muster sind noch etwas stärker ausgeprägt unter Migranten, die in einem fremdsprachigen Haushalt leben. Hier spielen sprachliche Hürden eine Rolle – ihr Abbau braucht Zeit und ausreichend Unterstützung.