3D-Druck gehört definitiv zu den Technologien der Zukunft und ist daher völlig zurecht den Megatrends bis 2030 zuzurechnen. Der Hype um die Chancen und Anwendungsmöglichkeiten der neuen Technolgie konnte zuletzt nicht groß genug sein und so manche Autoren witterten schon die nächste „industrielle Revolution„. Schaut man sich jedoch die Kursentwicklung der börsennotierten Branchenvertreter an, überkommt einen das kalte Grausen angesichts der immensen Kapitalvernichtung, die Investoren dort in den letzten Monaten erleiden mussten.

Absatz:

  1. Megatrend 3D-Druck
  2. 3D-Druck in der Praxis
  3. Konsumenten werden Produzenten
  4. 3D-Druck in der Medizintechnik
  5. 3D-Druck aus der Sicht eines Investors

Megatrend 3D-Druck

Ohne Zweifel gehört der 3D-Druck zu den Megatrends der kommenden Jahre und das Potential ist für Laien noch kaum überschaubar. Für die meisten ist noch nicht genau zu erkennen, wie sich konkrete Anwendungen hierfür entwickeln.

Einer der größten aktuellen Vorteile des 3D-Drucks ist die vergleichsweise günstige Herstellung von Prototypen und Modellen in geringer Stückzahl, z.B. Werkzeuge, Möbel oder Einzel- und Ersatzteile für Maschinen und Geräte. Dabei werden dreidimensionale Objekte schichtweise aufgebaut, wobei der Aufbau nach vorgegebenen Maßen und Formen (CAD) computergesteuert und mittels unterschiedlicher Werkstoffe erfolgen kann. Prädestinierte Branchen für den Einsatz des 3D-Drucks sind Unternehmen im Bereich des Maschinenbaus, der Architektur, Kunst und Design oder Medizin. Mit der Verbreitung der Technik und innovativen Anwendungen werden wir den 3D-Druck sicherlich auch in der Serienproduktion von Teilen sehen, wenn dies nicht schon der Fall ist.

3D-Druck in der Praxis

Um mal eine Vorstellung über die Möglichkeiten und Anwendungsbeispiele des 3D-Drucks und sog. 3D-Drucker zu erhalten, ist die nachfolgende 3D-Doku schon recht hilfreich. Hier wird gezeigt, wie Knöpfe, Metallteile, Autos oder ganze Häuser gedruckt werden. Selbst für Ersatzteile des menschlichen Körpers eignet sich der 3D-Druck, wobei hier nicht nur an Prothesen zu denken ist, sondern auch an organische Produkte.

Konsumenten werden Produzenten

Mit Hilfe des 3D-Drucks werden die Grenzen zwischen Produzenten und Konsumenten zunehmend verschwimmen. Die vergleichsweise günstige Herstellung dreidimensionaler Objekte wird dazu führen, dass immer mehr Menschen in der Lage sein werden, ihre Kreativität und Ideen in die Realität umzusetzen und zu Produzenten werden.

Allerdings muss man auch die Gefahren dieser Möglichkeiten im Blick haben, da jede Technologie auch für zerstörerische Zwecke eingesetzt werden kann, z.B. zum Bau von Waffen.

Bei Amazon kann man schon zahlreiche 3D-Drucker in unterschiedlicher Ausführung und mit Preisen unter EUR 500,00 kaufen, natürlich mit passender Software zur Herstellung von Spielzeug, Schmuck oder anderen Kleinteilen aus Kunststoff. Als bester 3D-Drucker wurde aktuell der RENKFORCE RF1000 3D-DRUCKER ausgezeichnet, der ebenfalls bei Amazon zu kaufen ist, aber immerhin schon mehr als 2.000 Euro kostet.

3D-Druck in der Medizin

Die Möglichkeiten des 3D-Drucks in der Medizintechnik stehen sicher erst am Anfang. Dennoch ist schon jetzt sichtbar, welches Potential in dieser Technik steckt. Reicht es, um eine Revolution auszulösen? Schwer zu sagen. Die Standardwerkstoffe für 3D-Drucker bilden bislang vor allem Kunststoff und Metall, die bei der Entwicklung und der Herstellung von Prothesen bereits zum Einsatz kommen.

Der 3D-Druck mit menschlichem Gewebe ist noch in der Entwicklung, aber es gibt schon einige Unternehmen, die mehr oder weniger am 3D-Druck im organischen Bereich arbeiten. Ziel ist es, mittels sogenannter Bioprinter organische Strukturen oder Gewebe aus zuvor gezüchteten einzelnen Zellen herzustellen, insbesondere spezifische Organe für den Menschen.

Sobald die ersten funktionierenden Organe jenseits von Kunststoff und Metall einsatzbereit sind, dürfte dies ein Quantensprung in der Medizintechnik sein. Ein Akteur in diesem Bereich ist das börsennotierte US-Unternehmen Organovo mit Sitz in Kalifornien. Bislang konnte man dort schon lebende Zellen aus dem 3D-Drucker anfertigen, die auf Bestellung für externe Forschungslabors angefertigt werden. Das Ziel geht natürlich weit darüber hinaus. Auf lange Sicht geht es um die Herstellung vollständiger Organe auf Basis lebender Zellen.

3D-Druck profitiert vom demografischen Wandel

Auf Basis der Zahlen des Census Bureau wird das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Europa und Japan bis 2030 auf über 45 Jahre steigen. Nur etwas besser sieht es in Nordamerika und Australien aus, wo das durchschnittliche Alter der Bevölkerung bis 2030 auf 35 bis 45 Jahre steigen wird. Dank der fortschreitenden Entwicklung in der Medizintechnik müssen sich die Gesellschaften in Europa und insbesondere in Deutschland auf eine immer älter werdende Bevölkerung einstellen. Dies ist verbunden mit immer höheren Anforderungen an die Erhaltung der Gesundheit.

Trotz aller Fortschritte in der Medizintechnik und im Gesundheitswesen entwickelt sich ein entgegengesetzter Trend, daß sich immer mehr Menschen ungesund ernähren und zu wenig zu bewegen. Beide Trends führen dazu, dass Organtransplantationen und somit die Nachfrage nach Organen und „Körperersatzteilen“ in der Zukunft noch weiter zunehmen wird. Während die Transplanation von Organen als solche in großen Bereichen längst zur Routine geworden ist, konnte die Nachfrage nach einem passenden Organ noch nie zufriedenstellend befriedigt werden. Mangel an passenden Organen ist sozusagen ein.

3D-Druck aus Sicht eines Investors

Aus der Sicht eines Investors waren die börsennotierten Branchenvertreter bislang das reinste Desaster, das mit dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens durch die Alphaform AG einen vorläufigen Höhepunkt fand.

3D Systems

Das an der NYSE börsennotierte US-Unternehmen 3D Systems gehört zu den Pionieren im 3D-Druck. Zu den Kunden gehören die typischen Unternehmen der Industrie, insbesondere aus den Bereichen Automobile und Luftfahrt, aber auch aus der Medizintechnik. Nachdem der Börsenkurs Ende 2014 die Marke von EUR 65,00 überschritten hatte, folgte in 2015 ein rapider und nachhaltiger Kurssturz auf aktuell rund EUR 14,00. Damit hat 3D Systems innerhalb eines Jahres rund 80% seines Börsenwerts verloren.

Alphaform AG

In Europa gehört die 1996 gegründete Alphaform AG mit Sitz in Feldkirchen bei München zu den führenden Unternehmen im Bereich der Anwendung und Produktion sog. 3D-Drucker. Ähnlich wie bei 3D Systems kommen auch die Kunden der Alphaform AG vor allem aus der Industrie, für die neben Einzelteilen und Kleinserien auch Know-How und Projektmanagement bereitgestellt werden. Während in 2014 noch alle Weichen auf Wachstum gestellt waren, musste der Vorstand im Juli 2015 beim Amtsgericht München Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen. Trotz eines starken Umsatzwachstums im 1. Quartal 2015 erwirtschaftete das Unternehmen einen operativen Verlust in Höhe von EUR 0,6 Millionen Euro, der die weitere Umsetzung eines Sanierungsplans offenbar unmöglich machte. Mit der Bekanntgabe der drohenden Insolvenz verlor die Aktie der Alphaform AG fast 75% an Wert und notierte heute an der Frankfurter Börse bei EUR 0,57 (Stand 29.07.2015, 19:40 Uhr).

Megatrend 3D-Druck
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