Verluste aus Kapitalvermögen entstehen, wenn die Erlöse aus der Veräußerung von Kapitalanlagen niedriger sind als die entsprechenden Anschaffungskosten für deren Erwerb. Bei der steuerlichen Berücksichtigung von Verlusten aus Kapitalvermögen muss man grundlegend unterscheiden, ob es sich um Kapitalanlagen im Privatvermögen handelt oder um Einnahmen bzw. Verluste aus Kapitalvermögen,  die den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbständiger Arbeit oder Vermietung und Verpachtung zuzuordnen sind.

Inhalt:

  1. Ermittlung der Verluste aus Kapitalvermögen
  2. Verlustausgleich bei Kapitalanlagen im Privatvermögen
  3. Verlustausgleich bei Kapitalanlagen im Betriebsvermögen

1. Ermittlung der Verluste aus Kapitalvermögen

Verluste aus Kapitalvermögen entstehen, wenn die Summe der Anschaffungskosten für Kapitalanlagen zuzüglich der Anschaffungsnebenkosten größer ist als die Summe der Erlöse aus der Veräußerung dieser Kapitalanlagen abzüglich der Veräußerungskosten (zB. Provisionen, Makler- oder Bankgebühren). Als Veräußerung gilt auch die Einlösung, Rückzahlung, Abtretung oder verdeckte Einlage in eine Kapitalgesellschaft. Zu den Anschaffungskosten von Kapitalanlagen zählen auch die Nebenkosten, insbesondere anfallende Spesen, Provisionen oder Bankgebühren. Auch Kosten für die Beratung und Bewertung von Kapitalanlagen (z.B. Beteiligungen an einer GmbH) zählen zu den Anschaffungskosten.

In zeitlicher Hinsicht ist bei der Ermittlung der Verluste aus Kapitalanlagen der Zeitpunkt von Bedeutung, in dem der schuldrechtliche Vertrag abgeschlossen wird. Im Falle von Kapitalanlagen in Fremdwährungen sind die Erlöse aus der Veräußerung im Veräußerungszeitpunkt sowie die Anschaffungskosten im Zeitpunkt der Anschaffung in Euro umzurechnen. Zu den Erlösen aus der Veräußerung von Kapitalanlagen zählen auch Schadensersatzleistungen für Verluste, die wegen einer Falschberatung angefallen sind (BMF-Schreiben vom 9.10.2012, BStBl. 2012 I S. 953, Tz. 83).

2. Verlustausgleich bei Kapitalanlagen im Privatvermögen

Für die Verrechnung von Verlusten aus Kapitalvermögen mit anderen positiven Einkünften (Verlustausgleich) bestehen gem. § 20 Abs. 6 EStG zahlreiche Sonderregelungen, wobei man die folgenden beiden Gruppen unterscheidet:

  1. Aktien und
  2. andere Kapitalanlagen.

Kapitalvermögen, das nach dem 01.01.2009 erworben wurde

Verluste aus Kapitalvermögen, das die Steuerpflichtigen nach dem 01.01.2009 erworben haben und dem Privatvermögen zuzuordnen ist, dürfen gem. § 20 Abs. 6 S. 1 EStG nicht mit positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnet werden. Insoweit ist ein horizontaler Verlustausgleich gem. § 20 Abs. 6 S. 5 EStG ausgeschlossen. Umgekehrt gilt dies jedoch nicht, d.h. positive Einkünfte aus Kapitalvermögen kann man im Rahmen der Einkommensteuererklärung mit Verlusten aus anderen Einkunftsarten verrechnen, wobei hierfür eine Wahlveranlagung gemäß § 32d Abs. 6 EStG mit Abgabe der Anlage KAP erforderlich ist.

Verluste aus der Veräußerung von Aktien

Verluste aus der Veräußerung von Aktien, die nach dem 01.01.2009 erworben wurden und dem Privatvermögen zuzuordnen sind, dürfen gem. § 20 Abs. 6 S. 4 EStG nur mit Gewinnen aus der Veräußerung von Aktien im gleichen Jahr oder in den folgenden Jahren verrechnet werden. Ein Verlustausgleich mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen, insbesondere Zinsen und Dividenden, ist insoweit ausgeschlossen. Dies gilt jedoch nicht für Gewinne aus der Veräußerung von Aktien, die man uneingeschränkt mit Verlusten aus Kapitalvermögen verrechnen darf.

Dementsprechend bilden Banken für jede natürliche Person mit Konten und Depot im Privatvermögen zwei sog. Verlustverrechnungstöpfe, wobei

  • einer für Verluste aus Kapitalvermögen bestimmt ist und
  • einer für Verluste aus der Veräußerung von Aktien.

Bankinterne Verrechnung von Verlusten

Soweit die Sparkonten und das Depot nur bei einer Bank geführt werden, klappt das unter Berücksichtigung der zeitlichen Entstehung auch mit der bankinternen Verrechnung von Verlusten mit positiven Einkünften aus Kapitalvermögen (BMF-Schreiben vom 9.10.2012, BStBl. 2012 I S. 953, Tz. 212 ff.). Anderenfalls ist eine Verrechnung von Verlusten mit Gewinnen nur über die Steuererklärung möglich, wobei man hierfür von den entsprechenden Banken eine Steuerbescheinigung bzw. Verlustbescheinigung anfordern muss.

Verlustvortrag bei Verlusten aus Kapitalvermögen

Soweit ein Verlustausgleich bankintern nicht möglich ist, kann der verbleibende Verlust auf das folgende Jahr vorgetragen und mit zukünftigen Zinsen, Dividenden oder Gewinnen aus der Veräußerung von Aktien verrechnet werden (= bankinterner Verlustübertrag  gem. § 43a Abs. 3 Satz 3 EStG). Stattdessen kann man bei der Bank aber auch eine Bescheinigung über den verbleibenden Verlust beantragen, um diesen im Rahmen der Steuererklärung mit positiven Einkünften aus Kapitalvermögen bei anderen Banken zu verrechnen (= Wahlveranlagung). Die entsprechenden Bescheinigungen sind bis zum 15.12. des laufenden Jahres zu beantragen, jeweils getrennt für Verluste aus Kapitalvermögen und aus der Veräußerung von Aktien.

Soweit man die Verluste aus Kapitalvermögen im laufenden Jahr weder bankintern noch im Rahmen der Steuererklärung mit positiven Einkünften aus Kapitalvermögen ausgleichen kann, erfolgt ein Verlustvortrag innerhalb dieser Einkunftsart. Eine Verrechnung mit positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten ist grundsätzlich ebenso unzulässig wie ein Verlustrücktrag auf den unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraum. Ausnahmen bestätigen die Regel. Der Verlustvortrag ist gem. § 20 Abs. 6 EStG zeitlich unbegrenzt und betragsmäßig unbeschränkt.

3. Verlustausgleich bei Kapitalanlagen im Betriebsvermögen

Soweit Einnahmen aus Kapitalvermögen i.S.d. § 20 EStG zu den Einkünften aus

  • Land- und Forstwirtschaft,
  • Gewerbebetrieb,
  • selbständiger Arbeit oder
  • Vermietung und Verpachtung

gehören, sind sie gem. § 20 Abs. 8 EStG vorrangig diesen Einkünften zuzurechnen. Infolgedessen gelten auch für Verluste aus solchen Kapitalanlagen abweichende Regelungen.

Die von den Banken einbehaltene Kapitalertragsteuer hat insoweit keine Abgeltungswirkung. Vielmehr müssen die Einkünfte aus Kapitalvermögen den entsprechenden Einkunftsarten zugeordnet und mit dem individuellen Steuersatz versteuert werden, wobei die einbehaltene Kapitalertragsteuer angerechnet wird. Verluste aus solchen Kapitalanlagen können nur im Rahmen der Steuererklärung verrechnet werden, in diesem Fall jedoch auch mit Gewinnen bzw. Überschüssen aus anderen Einkunftsarten. Im Falle eines verbleibenden Verlusts ist sowohl ein Verlustrücktrag als auch ein unbeschränkter Verlustvortrag zulässig.

a) Verluste aus Beteiligungen an Kapitalgesellschaften

Bei Verlusten aus einer Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft im Privatvermögen (insbesondere im Falle einer GmbH) besteht die Möglichkeit einer Veranlagungsoption, wenn

  • die Beteiligung eine Quote von mindestens 25% des Stammkapitals erreicht oder
  • die Beteiligung eine Quote von mindestens 1% des Stammkapitals erreicht und eine berufliche Tätigkeit für die Kapitalgesellschaft besteht.

In diesen Fällen kann im Rahmen der Steuererklärung beantragt werden, dass die Gewinnausschüttung nach den Grundsätzen des Teileinkünfteverfahrens lediglich mit 60% berücksichtigt wird, wobei angefallene Aufwendungen (insbesondere Kreditzinsen) ebenfalls mit 60%  abgezogen werden können. Es ist jedoch zu beachten, dass dieser Antrag grundsätzlich für 5 Jahre gilt, wobei er jederzeit widerrufen werden kann, womit dann die Abgeltungssteuer von 25% wieder zur Anwendung kommt.

Gehört die Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft zu einem Betriebsvermögen, ist das immer Teileinkünfteverfahren anzuwenden, wonach nur 60% der Erträge zu versteuern sind, im Gegensatz aber auch nur 60% der Aufwendungen steuermindernd berücksichtigt werden.

b) Verluste aus stiller Beteiligung oder partiarischen Darlehen

Im Falle einer typisch stillen Gesellschaft gehören die laufende Verluste des stillen Gesellschafters nach § 20 Abs. 1 Nr. 4 EStG zu den Einkünften aus Kapitalvermögen, soweit die stille Beteiligung nicht einem Betriebsvermögen zuzuordnen ist. Der Verlustausgleich ist jedoch gem. § 20 Abs. 1 Nr. 4 i.V.m. 15a EStG auf den Betrag der geleisteten stillen Einlage beschränkt. Übersteigen die laufenden Verluste den Betrag der geleisteten stillen Einlage und entsteht oder erhöht sich dadurch ein negatives Kapitalkonto, kann der entsprechende Verlust nur mit späteren Gewinnen aus der stillen Gesellschaft verrechnet werden.

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