Den Begriff „Schwarze Schwäne“ prägte der Autor und Börsenhändler Nicholas Taleb erstmals mit seinem Buch „Fooled By Randomness“. Es folgte der Bestseller „Der Schwarze Schwan“ in 2008. Seitdem werden schwarze Schwäne mit einmaligen und sehr unwahrscheinlichen Ereignissen mit verheerenden Folgen für Wirtschaft und/oder Gesellschaft gleichgesetzt.

Bankenpleiten in Europa | Zusammenbruch des Anleihenmarkts  Brexit, Itaxit, Fraxit | US-Präsident Donald Trump | Südchinesisches Meer | Türkei verlässt Nato |

Schwarzer Schwan von sanfamedia.com (CC-BY-SA 3.0) – Kreuz und quer durch China

Schwarze Schwäne bis 2025

Wie Nicholas Taleb in seinen Büchern erläuterte, treten schwarze Schwäne viel häufiger auf als allgemein angenommen. Der Angriff auf das WTC am 11.09.2001 oder die Lehman-Pleite im Jahre 2008 waren solche Ereignisse. „Niemand“ hatte mit ihren gerechnet, aber in ihren Auswirkungen waren sie umso verheerender.

Es ist jedoch keineswegs so, dass schwarze Schwäne immer völlig überraschend auftreten. Einige aktuelle Krisenherde sind durchaus geeignet, sich zu einem der nächsten schwarzen Schwäne zu entwickeln. Eine kleine Auswahl habe ich hier zusammengestellt:

Bankenpleiten in Europa

Die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 schien schon vergessen und kommt derzeit mit aller Gewalt zurück. Während die Niedrigzinsen in Europa die Erträge der Banken aus den klassischen Geschäftsfeldern auffressen, zeigen sich die neuartigen Fintech-Unternehmen deutlich besser aufgestellt bei der Nutzung der Digitalisierung als Wachstumstrend.

Der europäische Bankenindex Euro Stoxx Banken stand schon auf historischen Tiefstständen. Heute verlor er nach Veröffentlichung der Ergebnisse aus dem Bankenstresstest der EZB und der Europäischen Bankenaufsicht nochmals ein paar Prozent. Auch die Aktien der beiden deutschen Schwergewichte Deutsche Bank und Commerzbank waren unter den Verlierern.

Von den italienischen Kreditinstituten steht vor allem die Großbank UniCredit schwer unter Druck, zu der auch die HypoVereinsbank gehört. Weitere angeschlagene Banken: Intesa Sanpaolo, Banca Monte del Paschi di Siena, Banco Popolare SC und Unione di Banche Italiane. Vergleichbare Verhältnisse findet man auch bei einigen spanischen und griechischen Banken, die allesamt bereits gerettet schienen. Angesichts der Liste der angeschlagenen Banken in Europa ist es nur eine Frage der Zeit, wann der erste Dominostein fällt.

Zusammenbruch des Anleihenmarkts

Die Sorgen über einen Zusammenbruch des Anleihenmarkts (Bond-Collapse) bestehen schon seit längerem und sind jetzt keine besondere Erscheinung. Zentralbanken weltweit halten ihre Geldschleusen immer länger und weiter geöffnet. Immerhin mehren sich die Stimmen, die eine Gefahr des totalen Zusammenbruchs des Anleihenmarkts sehen. Eine dieser Stimmen war von Bond-Guru Bill Gross, der angesichts von Negativzinsen die Gefahr einer Supernova sieht, die demnächst auszubrechen droht.

Brexit, Itaxit, Fraxit

Bis zuletzt war der Brexit für die wenigsten ein realistisches Szenario. Selbst einen Tag vor dem Referendum der Briten über den Verbleib in der EU sah man für die Stay-Kampagne deutlich bessere Erfolgschancen. Wie wir heute wissen, haben sich die Briten mehrheitlich im Sinne der Leave-Kampagne zum Austritt aus der Europäischen Union entschieden.

Und der wieder erstarkende Nationalismus in Europa bereitet schon den Nährboden für weitere Austrittsszenarien, beispielsweise in Italien oder Frankreich. Die besten Chancen hierfür sehe ich in Italien, wo Umfragen schon aktuell eine Mehrheit für den Austritt aus der Europäischen Union sehen. Mit den ersten Bankenpleiten in Italien würde sich die Gefahr eines Itaxit wohl schlagartig vergrößern.

US-Präsident Donald Trump

Am 08.11.2016 wählen die Amerikaner wieder mal einen neuen US-Präsidenten, wobei Hillary Clinton für die Demokraten und Donald Trump für die Republikaner zur Auswahl stehen.

Für viele Amerikaner dürfte das die Wahl zwischen Pest und Cholera sein. Noch liegt Hillary Clinton vorne, aber wenn man bedenkt, wo Donald Trump begonnen hat, könnte sich hier noch viel ändern. Während man bei Hillary Clinton einigermaßen weiß, wie es mit ihr in den USA und auf der Welt weitergehen könnte, ist das Überraschungspotential bei Donald Trump umso größer.

Südchinesisches Meer

Das Südchinesische Meer gehört aktuell zu den gefährlichsten Krisenherden dieser Welt, auch wenn man darüber kaum in den Nachrichten zu hören bekommt. Ungeklärte Grenzen, unterschiedliche Gebietsansprüche seitens China, Taiwan, Japan, Südkorea, Philippinen, Indonesien und Vietnam, Provokationen der Amerikaner, Reichtum an Rohstoffen und strategisch wichtigen Punkten ergeben eine hochexplosive Mischung.

Türkei verlässt Nato

Nach dem mißglückten Militärputsch in der Türkei räumt der aktuelle Präsident Erdogan in seinem Land richtig auf. Neben Staatsbediensteten, Richtern und Journalisten sind natürlich auch und insbesondere Militärangehörige betroffen, darunter auch etliche NATO-Militärs. Während die Türkei aktuell hitzige Diskussionen mit der EU und den USA führt, bahnt sich mit Putin eine neue Freundschaft an. Wir werden sehen, wie sich diese Geschichte entwickelt.

Schwarze Schwäne bis 2025
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