Ein wirksames Testament des Erblassers kann in vielen Fällen Erbrechtsstreitigkeiten zwischen den potentiellen Erben vermeiden, sofern es zweifelsfrei vom Erblasser stammt sowie klare und eindeutig formulierte Verfügungen enthält. 

Gesetzliches Erbrecht

Sofern der Erblasser kein wirksames Testament hinterlassen hat, ergeben sich die Erben aus den gesetzlichen Vorschriften der §§ 1924 ff BGB (gesetzliches Erbrecht). Diesbezüglich ist in erster Linie die

  • Verwandtschaft bzw.
  • Heirat mit dem Erblasser

die Grundlage des gesetzlichen Erbrechts, wobei die Verwandtschaft auch durch Adoption begründet werden kann. Zu den elementaren Grundsätzen des Verwandtenerbrechts zählen das

  • das Repräsentationssystem und
  • das Eintrittsrecht (Erbfolge nach Stämmen),

wonach die dem Erblasser am nächsten Stehenden (i.d.R. die Kinder) jeweils einen Stamm repräsentieren und die eigenen Abkömmlinge von der Erbfolge ausschließen. Das gesetzliche Erbrecht des Ehegatten ist in erster Linie und in den meisten Fällen vom Güterstand und von der Anzahl der Kinder abhängig. Zu unterscheiden sind hier die Zugewinngemeinschaft, die Gütertrennung und die Gütergemeinschaft. Das gesetzliche Erbrecht des eingetragenen Lebenspartners ergibt sich aus § 10 LPartG.

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Das Testament

Grundsätzlich ist jede natürliche Person mit Vollendung des 18. Lebensjahres unbeschränkt testierfähig, d.h. zur Erstellung eines wirksamen Testaments berechtigt. Eine Verpflichtung zur Erstellung eines Testaments besteht natürlich nicht. Bei bestimmten Erkrankungen, insbesondere bei fortgeschrittener Demenz, ist es jedoch auch möglich, seine Testierfähigkeit wieder zu verlieren.

Wer seine Erben abweichend von der gesetzlichen Erbfolge regeln will, kann dies nur durch eine Verfügung von Todes wegen  in einem Testament oder Erbvertrag tun. Empfehlenswert ist dies immer dann, wenn das Vermögen größtenteils in werthaltigen Vermögensgegenständen gebunden ist, sei es in Immobilien, Unternehmen oder anderen Wertgegenständen, die nur schwer zu veräußern sind.Sofern keine Verfügung von Todes wegen vorhanden ist, ergeben sich die Erben nach den gesetzlichen Vorschriften, d.h. es gilt das gesetzliche Erbrecht, das regelmäßig zu Erbengemeinschaften mit unterschiedlichen Interessen führt.

Im Rahmen der ordentlichen Testamentsformen unterscheidet das Gesetz zwischen

  • privatschriftlichem Testament,
  • öffentlichem Testament und
  • gemeinschaftlichem Testament.

Zur Erstellung eines privatschriftlichen Testaments ist es gem. § 2247 Abs. 1 BGB zwingend erforderlich, dass es vom Erblasser eigenhändig geschrieben und unterschrieben wurde. Ein am Computer oder mit der Schreibmaschine erstelltes Testament ist daher nicht wirksam. Die Unterschrift muss am Ende der Verfügungen angebracht werden, um den vorstehenden Text räumlich abzuschließen und zu legitimieren. Darüber hinaus sollte es als Testament bezeichnet und datiert werden. In diesem Zusammenhang kommt es in der Praxis auch vor, dass Echtheit oder Eigenhändigkeit der Unterschrift angezweifelt werden. Entsprechende Beweise können durch sog. Schriftgutachten geführt werden, wobei diese Aufgaben auch einem Detektiv bzw. einem graphologischen Gutachter übertragen werden können.

Der Pflichtteil

Der Pflichtteil ist Ausfluss des gesetzlichen Erbrechts und steht den nahen Angehörigen eines Erblassers zu, die durch Testament (oder Erbvertrag) von der Erbfolge ausgeschlossen werden. Insoweit ist der Erblasser in seiner Testierfreiheit eingeschränkt, einen nahen Angehörigen von der Erbfolge vollständig auszuschließen. Der Pflichteilsanspruch gewährt den nahen Angehörigen eine Mindestbeteiligung am Vermögen des Erblassers, die nur in ganz bestimmten Ausnahmefällen entzogen werden kann. Dieser ist jedoch immer auf Geld gerichtet. Zu den Pflichtteilsberechtigten zählen

  • die Abkömmlinge des Erblassers (Kinder, Enkel- und Urenkelkinder),
  • der Ehegatte sowie
  • (in bestimmten Konstellationen) auch die Eltern des Erblassers.

Mit Wirkung zum 01.08.2001 wurde auch der überlebende Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft in die Gruppe der Pflichtteilsberechtigten aufgenommen.

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