Mit mehreren Urteilen am 08.07.2020 hat das Bundessozialgericht (BSG) die Grundsätze zur Statusbeurteilung beim Geschäftsführer einer GmbH erneut präzisiert, dieses Mal im Falle der mittelbaren Beteiligung am Stammkapital der GmbH. Es ist schon einige Jahre her, seitdem das BSG in 2012 und 2015 seine Rechtsprechung zur Statusbeurteilung beim Geschäftsführer einer GmbH fortentwickelt hat. Seitdem erfolgt die Abgrenzung zwischen abhängiger Beschäftigung und unternehmerischem Handeln beim GmbH-Geschäftsführer ausschließlich anhand dessen Rechtsmacht auf Basis des Gesellschaftsrechts.

Inhalt:

  1. Sozialversicherungsrechtliche Statusbeurteilung beim Geschäftsführer einer GmbH
  2. Sozialversicherungsrechtlicher Status des Geschäftsführers bei mittelbarer Beteiligung
  3. Geschäftsführer der Komplementär-GmbH und Kommanditist einer Einheits-GmbH & Co. KG
  4. Geschäftsführer der Komplementär-GmbH und Kommanditist einer echten GmbH & Co. KG
  5. Sozialversicherungsrechtlicher Status beim Geschäftsführer und Kommanditist einer GmbH & Co. KG (Variante 2)
  6. Geschäftsführer der Tochter-GmbH und Kommanditist der Mutter-GmbH & Co. KG (Variante 3)

1. Sozialversicherungsrechtliche Statusbeurteilung beim Geschäftsführer einer GmbH

Im Jahre 2012 hat das BSG seine bis dahin unpräzise Rechtsprechung zur Beurteilung der Sozialversicherungspflicht geschäftsführender Gesellschafter mit zwei Urteilen grundlegend präzisiert (BSG, Urteil vom 29.08.2012, B 12 KR 25/10 R; BSG, Urteil vom 29.08.2012, B 12 R 14/10 R).

Die sozialversicherungsrechtliche Statusbeurteilung beim Geschäftsführer einer GmbH erfolgt seitdem (unabhängig von schuldrechtlichen Vereinbarungen oder vom faktischen Verhalten der beteiligten Personen) streng nach der Rechtsmacht des Geschäftsführers auf Basis des Gesellschaftsrechts (BSG, Urteil vom 29.07.2015, B 12 KR 23/13 R; BSG, Urteil vom 11.11.2015, B 12 KR 10/14 R).

Auch etwaige besondere Vereinbarungen im Geschäftsführeranstellungsvertrag und/oder deren tatsächliche Ausübung spielen für die Frage der Sozialversicherungspflicht nur noch eine unwesentliche Rolle.

Grundsätze des BSG zum sozialversicherungsrechtlichen Status der Geschäftsführer einer GmbH

Folgende vom BSG aufgestellten Grundsätze zum sozialversicherungsrechtlichen Status der Geschäftsführer einer GmbH sind seither zu beachten:

  • Beim geschäftsführenden Alleingesellschafter wird die Sozialversicherungspflicht ausnahmslos verneint (BSG, Urteil vom 24.11.2005, B 12 RA 1/14 R).
  • Ein Gesellschafter-Geschäftsführer mit einem mindestens hälftigen Anteil am Stammkapital ist regelmäßig nicht sozialversicherungspflichtig, da dieser einen maßgebenden Einfluss auf die Entscheidungen der Gesellschafterversammlung hat (BSG, Urteil vom 17.05.2001, B 12 KR/00 R).
  • Ein geschäftsführender Gesellschafter mit weniger als 50 % Anteil am Stammkapital unterliegt nur dann nicht der Sozialversicherungspflicht, wenn er auf Basis einer Sperrminorität in der Gesellschafterversammlung deren Entscheidungen zumindest verhindern kann (BSG, Urteil vom 30.04.2013, B 12 KR 19/11 R).

Die vorgenannten Entscheidungen des BSG sind allesamt ergangen zu geschäftsführenden Gesellschaftern, die unmittelbar am Stammkapital der GmbH beteiligt waren. Unklar blieb die Statusbeurteilung beim Geschäftsführer einer GmbH, der seinen Einfluss auf die Gesellschafterversammlung aus einer mittelbaren Beteiligung am Stammkapital der GmbH herleiten kann, insbesondere im Falle des Geschäftsführers der Komplementär-GmbH einer GmbH & Co. KG.

2. Sozialversicherungsrechtliche Statusbeurteilung beim Geschäftsführer einer GmbH bei mittelbarer Beteiligung

Mit mehreren Urteilen vom 08.07.2020 hat das Bundessozialgericht die Rechtsprechung zur sozialversicherungsrechtlichen Statusbeurteilung beim Geschäftsführer einer GmbH im Falle der mittelbaren Beteiligung am Stammkapital erneut fortentwickelt.

Zunächst nochmals zur Klarstellung: Beim GmbH-Geschäftsführer ohne kapitalmäßige Beteiligung an der GmbH (Fremdgeschäftsführer) scheidet eine selbstständige Tätigkeit grundsätzlich aus. Ein Geschäftsführer kann seine Tätigkeit für die GmbH grundsätzlich nur dann selbständig ausüben, wenn er am Stammkapital beteiligt ist (sog. Gesellschafter-Geschäftsführer). Selbst ein solcher Gesellschafter-Geschäftsführer ist aber nicht per se kraft seiner Kapitalbeteiligung selbstständig tätig. Vielmehr muss er über seine Gesellschafterstellung hinaus die Rechtsmacht besitzen, durch Einflussnahme auf die Gesellschafterversammlung die Geschicke der Gesellschaft bestimmen zu können. Anderenfalls liegt wie beim Fremdgeschäftsführer eine abhängige Beschäftigung vor.

Eine solche Rechtsmacht ist bei einem Gesellschafter gegeben, der mindestens 50 % der Anteile am Stammkapital hält oder bei einer geringeren Kapitalbeteiligung nach dem Gesellschaftsvertrag über eine umfassende („echte“ oder „qualifizierte“) und die gesamte Unternehmenstätigkeit erfassende Sperrminorität verfügt.

vgl zuletzt BSG, Urteil vom 14.3.2018 (B 12 KR 13/17 R); BSG, Urteil vom 19.9.2019 (B 12 R 25/18 R)

Unklar war die Rechtslage beim Geschäftsführer der GmbH, der zwar nicht selbst am Stammkapital der GmbH beteiligt ist, aber als Gesellschafter einer anderen Gesellschaft mittelbar die Beschlüsse der Gesellschafterversammlung in der von ihm geführten GmbH beeinflussen kann.

Präzisierung der Rechtsprechung des BSG zur Statusbeurteilung beim Geschäftsführer einer GmbH

Diesbezüglich hat das BSG am 08.07.2020 seine Rechtsprechung zur sozialversicherungsrechtlichen Statusbeurteilung beim Geschäftsführer einer GmbH mit mehreren Urteilen wie folgt präzisiert:

Eine die abhängige Beschäftigung ausschließende Rechtsmacht kann auch daraus resultieren, dass der Geschäftsführer kraft seiner Stellung als Gesellschafter einer anderen Gesellschaft (mittelbar) in der Lage ist, Einfluss auf den Inhalt von Gesellschafterbeschlüssen der von ihm geführten Gesellschaft zu nehmen. Damit ist nicht alleine auf das Rechtsverhältnis zwischen Geschäftsführer und der von ihm geführten GmbH abzustellen, sondern auch dessen Rechtsstellung innerhalb einer anderen Gesellschaft zu berücksichtigen, die wiederum in Rechtsbeziehungen zu der Gesellschaft steht, deren Geschäftsführung Gegenstand der Statusbeurteilung ist.

BSG, Urteile vom 08.07.2020 (B 12 R 26/18 R, B 12 R 1/19 R, B 12 R 2/19 R, B 12 R 4/19 R, B 12 R 6/19 R)

Nach Ansicht des BSG kann es keine Rolle spielen, ob der Geschäftsführer diese Rechtsmacht unmittelbar aus seiner Gesellschafterstellung in der von ihm geführten Gesellschaft oder aus seiner Beteiligung an einer anderen Gesellschaft (mittelbar) ableitet.

Allerdings ist für die sozialversicherungsrechtliche Statusbeurteilung auch nur eine solche von dieser Beteiligung abgeleitete Rechtsmacht beachtlich, wenn sie ihrerseits im Gesellschaftsrecht wurzelt, also durch Gesellschaftsvertrag geregelt ist und unmittelbar auf das zu beurteilende Rechtsverhältnis durchschlägt.

Entscheidend bleibt, dass dem Geschäftsführer auf Basis seiner mittelbaren Beteiligung an der von ihm geführten Gesellschaft selbst und unmittelbar eine ausschlaggebende Einflussnahme auf Gesellschafterbeschlüsse der von ihm geführten Gesellschaft möglich ist oder er zumindest ihm nicht genehme Weisungen der Gesellschafterversammlung verhindern kann.

3. Geschäftsführer der Komplementär-GmbH und Kommanditist einer Einheits-GmbH & Co. KG

In der Entscheidung des BSG vom 08.07.2020 (B 12 R 1/19) geht es um einen Geschäftsführer der Komplementär-GmbH einer Einheits-GmbH & Co. KG, dem im Gesellschaftsvertrag der KG die Geschäftsführungsbefugnis und die Ausübung des Stimmrechts im Hinblick auf die von der KG gehaltenen Geschäftsanteile an der Komplementär-GmbH entzogen wurde.

Handelt es sich um eine Einheits-KG, ist die Kommanditgesellschaft (KG) Alleingesellschafterin der Komplementär-GmbH. Mithin stehen der KG alle Gesellschafterrechte zu. Nur sie übt folglich auch das Weisungsrecht in der Gesellschafterversammlung der Komplementär-GmbH mit einheitlicher Stimme aus (§ 37 Abs. 1 GmbHG i.V.m §§ 38 Abs. 1, 46 Nr. 5, 6 GmbHG). In der GmbH & Co KG wiederum ist grundsätzlich allein die Komplementärin zur (gewöhnlichen) Geschäftsführung berechtigt (§ 164 HGB). Sie übt ihre Befugnisse durch ihre Organe, also ihre Geschäftsführer oder ihre Bevollmächtigten aus, die dabei unmittelbar für die GmbH handeln. Darüber hinaus führen diese aber (auch) die Geschäfte der KG, weshalb sie auch als die „mittelbaren Geschäftsführer“ der GmbH & Co KG bezeichnet werden. Dies führt dazu, dass die Komplementär-GmbH die Gesellschafterrechte aus den Anteilen an ihrem Stammkapital – wiederum vertreten durch ihren Geschäftsführer – selbst ausübt.

Um zu vermeiden, dass die Geschäftsführer einer Komplementär-Gmbh (mittelbar) dazu berufen wären, in der Gesellschafterversammlung über ihre eigene Bestellung, Entlastung und Abberufung zu entscheiden sowie das Weisungsrecht der Gesellschafterversammlung gegenüber sich selbst auszuüben, kann im KG-Gesellschaftsvertrag den Geschäftsführern der Komplementär-GmbH die Geschäftsführungsbefugnis und die Ausübung des Stimmrechts im Hinblick auf die von der KG gehaltenen Geschäftsanteile an der Komplementär-GmbH entzogen und stattdessen den Kommanditisten übertragen werden.

In einem solchen Fall üben die Kommanditisten ihre Gesellschafterrechte in der Gesellschafterversammlung der KG mittels Beschlussfassung aus. Hier kommt es dann darauf an, ob der Kommanditist je nach Ausgestaltung des Gesellschaftsvertrages der KG in der Lage ist, einen beherrschenden Einfluss auf die Komplementär-GmbH zu nehmen oder ob diesem zumindest eine Sperrminorität bei der Ausübung des Weisungsrechts eingeräumt wurde.

BSG, Urteil vom 08.07.2020 (B 12 R 1/19)

4. Geschäftsführer der Komplementär-GmbH und Kommanditist einer echten GmbH & Co. KG

In der Entscheidung des BSG vom 08.07.2020 (B 12 R 2/19) geht es um einen Geschäftsführer der Komplementär-GmbH einer echten GmbH & Co. KG, an der er mit einer Kommanditeinlage in Höhe von 100.000 Euro zu 99 % beteiligt war. Allerdings war seine Ehefrau alleinige Gesellschafterin der Komplementär-GmbH. Nach dem Gesellschaftsvertrag der GmbH & Co KG bedurften die Gesellschafterbeschlüsse der KG der Mehrheit der Stimmen. Änderungen oder Ergänzungen des Gesellschaftsvertrags sowie die Auflösung der Gesellschaft konnten nur einstimmig beschlossen werden.

Ist der Geschäftsführer einer Komplementär-GmbH selbst nicht am Stammkapital dieser GmbH beteiligt, handelt es sich um einen Fremdgeschäftsführer, der grundsätzlich der Sozialversicherungspflicht unterliegt, weil er nicht die notwendige gesellschaftsrechtliche Rechtsmacht besitzt, die Geschicke der GmbH maßgeblich zu gestalten oder ihm nicht genehme Weisungen zu verhindern.

Auch die Kommanditbeteiligung an der GmbH & Co KG in Höhe von 99 % vermittelt dem Geschäftsführer der Komplementär-GmbH keine aus dem Gesellschaftsrecht wurzelnde Rechtsmacht, die eine abhängige Beschäftigung in der von ihm geführten Gesellschaft ausschließen würde.

Der auf einer Kommanditeinlage beruhende gesellschaftsrechtliche Einfluss des Kommanditisten ist auf die GmbH & Co KG beschränkt. Im Falle der echten GmbH & Co. KG sind weder die GmbH & Co KG noch die Kommanditisten (mittelbar) als Gesellschafter an der Komplementär-GmbH beteiligt. Ohne eine solche Beteiligung können die Kommanditisten der GmbH & Co KG nur auf deren Geschäftsführung, nicht aber auf davon unabhängige Geschäfte ihrer Komplementär-GmbH Einfluss nehmen. Der Geschäftsführer der Komplementär-GmbH ist – wie jeder Geschäftsführer einer GmbH – grundsätzlich an die Weisungen der GmbH-Gesellschafter gebunden (§ 37 Abs. 1 GmbHG i.V.m §§ 38 Abs. 1, 46 Nr. 5, 6 GmbHG).

1. Der Geschäftsführer der Komplementär-GmbH einer GmbH & Co KG kann nicht allein aufgrund seiner Stellung als Mehrheitskommanditist der KG einen seine abhängige Beschäftigung ausschließenden Einfluss auf den Inhalt von Gesellschafterbeschlüssen der GmbH nehmen.

2. Ein Weisungsverbot im Geschäftsführeranstellungsvertrag sowie die Möglichkeit des Geschäftsführers einer Komplementär-GmbH, die eigene Abberufung auszuschließen, die GmbH & Co KG aufzulösen oder die Komplementär-GmbH daraus auszuschließen, begründen keine die abhängige Beschäftigung ausschließende umfassende Rechtsmacht.

BSG, Urteil vom 08.07.2020 (B 12 R 2/19)

5. Geschäftsführer und Kommanditist einer GmbH & Co. KG (Variante 2)

Das Urteil des BSG vom 08.07.2020 (B 12 R 4/19) betrifft den Geschäftsführer der Komplementär-GmbH einer beteiligungsidentischen ABC GmbH & Co. KG (Kläger), bei der sowohl die Geschäftsanteile an der Komplementär-GmbH als auch die Kommanditbeteiligung einer übergeordneten XY Holding GmbH & Co KG zugeordnet waren. Nach dem Gesellschaftsvertrag der ABC GmbH & Co. KG war allein die Komplementär-GmbH zur Geschäftsführung berechtigt und verpflichtet.

Die Komplementär-GmbH der XY Holding-GmbH & Co. KG war eine Holding Verwaltung GmbH, an deren Stammkapital der Kläger und seine Schwester zu je 20 % sowie deren Mutter zu 60 % beteiligt waren. Mit diesem Beteiligungsverhältnis waren sie auch Kommanditisten der XY Holding GmbH & Co. KG. In sämtlichen Gesellschaftsverträgen war grundsätzlich eine Beschlussfassung mit der einfachen Mehrheit der abgegebenen Stimmen vorgesehen.

Folgende Besonderheit war noch zu berücksichtigen: Die Erteilung von Weisungen der XY Holding GmbH & Co. KG an deren Komplementär-GmbH bedurfte nach § 4 Abs. 2 des Gesellschaftsvertrages eines zustimmenden Beschlusses der Gesellschafterversammlung. Darüber hinaus schlossen die Kommanditisten der XY Holding GmbH & Co. KG einen Stimmbindungsvertrag, wonach „bei allen Gesellschafterbeschlüssen der XY Holding GmbH & Co KG einstimmig mit ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ zu stimmen war“.

Ebenso wie bei einer GmbH gilt bei einer Kommanditgesellschaft (KG) der Grundsatz, dass nicht am Kapital der Gesellschaft beteiligte Geschäftsführer (Fremdgeschäftsführer) einer abhängigen Beschäftigung nachgehen und damit versicherungspflichtig sind. Auch ein über die Kommanditeinlage an einer KG beteiligter Gesellschafter-Geschäftsführer ist nur dann nicht versicherungspflichtig beschäftigt, wenn ihm die Gesellschafterstellung oder der Gesellschaftsvertrag die Rechtsmacht verschafft, Weisungen an sich als Geschäftsführer zu verhindern.

BSG, Urteil vom 08.07.2020 (B 12 R 4/19 R)

Auschluss der Kommanditisten von der Geschäftsführung

Kommanditisten sind nach § 164 S. 1 HGB von der Führung der Geschäfte einer GmbH & Co KG grundsätzlich ausgeschlossen und können einer Handlung der persönlich haftenden Gesellschafterin (Komplementär-GmbH) nicht widersprechen. Dies ist ausnahmsweise nur dann möglich, wenn die Handlung über den gewöhnlichen Betrieb des Handelsgewerbes der Gesellschaft hinausgeht. Lediglich solche außergewöhnlichen Handlungen bedürfen der Zustimmung der Kommanditisten.

Die Verwaltung bestehender Beteiligungen an anderen Gesellschaften einschließlich der Stimmabgabe in der Gesellschafterversammlung einer Tochtergesellschaft gehört regelmäßig zu den Maßnahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der geschäftsführenden Komplementär-GmbH. Ohne abweichendes Satzungsrecht steht den Kommanditisten einer solchen GmbH & Co KG damit grundsätzlich kein Weisungsrecht gegenüber dem Geschäftsführer der Komplementär-GmbH zu. Der auf seiner Kommanditeinlage beruhende gesellschaftsrechtliche Einfluss eines Kommanditisten ist grundsätzlich auf die GmbH & Co. KG beschränkt.

Allerdings ist der Ausschluss der Kommanditisten von der Geschäftsführung gem. § 164 S. 1 HGB dispositiv (vgl. § 163 HGB). Im Gesellschaftsvertrag einer GmbH & Co KG kann daher abweichend von § 164 HGB ein Weisungsrecht der Kommanditisten gegenüber der Komplementär-GmbH vereinbart werden.

Weisungsrecht des Kommanditisten im Gesellschaftsvertrag der GmbH & Co. KG

In diesem Fall war gem. § 4 Abs. 2 S. 2 des Gesellschaftsvertrages der XY Holding GmbH & Co. KG allerdings nur vorgesehen, dass die „Erteilung von Weisungen an die persönlich haftende Gesellschafterin“ eines zustimmenden Beschlusses der Gesellschafterversammlung der Gesellschaft bedurfte.

Die Ausübung des Weisungsrechts mittels Beschlusses der Gesellschafterversammlung der XY Holding GmbH & Co. KG konnte der Kläger mit seiner Kommanditbeteiligung von nur 20 % jedoch nicht herbeiführen. Ein solcher Beschluss der Gesellschafter bedurfte nach § 5 Abs. 5 des Gesellschaftsvertrags der einfachen Mehrheit. Würde man in dem „Stimmbindungsvertrag“ vom 15.12.2012 eine Änderung des Gesellschaftsvertrages der XY Holding GmbH & Co. KG sehen, wäre sogar Einstimmigkeit erforderlich gewesen, um eine Weisung an den Geschäftsführer der Holding Verwaltung GmbH zu erteilen. Für eine Weisung an die Holding Verwaltung GmbH hinsichtlich der Stimmabgabe in der XY Holding GmbH & Co. KG oder in deren Komplementär-GmbH wären auch die Stimmen der Mutter und Schwester als weitere Kommanditisten erforderlich.

BSG, Urteil vom 08.07.2020 (B 12 R 4/19 R)

Im vorliegenden Fall war es dem Geschäftsführer der ABC GmbH & Co. KG (Kläger) daher gesellschaftsrechtlich nicht möglich, eine Weisung an die Holding Verwaltung GmbH herbeizuführen. Infolgedessen fehlte ihm zugleich die Rechtsmacht, einen Beschluss der Holding Verwaltung GmbH über die Stimmabgabe für die XY Holding GmbH & Co. KG in der Komplementär-GmbH der ABC GmbH & Co. KG hinsichtlich einer Weisung an ihn als deren Geschäftsführer zu verhindern.

6. Geschäftsführer der Tochter-GmbH und Kommanditist der Mutter-GmbH & Co. KG (Variante 3)

Das Urteil des BSG vom 08.07.2020 (B 12 R 6/19) betrifft den Geschäftsführer der DO GmbH, deren alleinige Gesellschafterin die D GmbH & Co. KG (Muttergesellschaft) ist, diese wiederrum vertreten durch ihre persönlich haftende Gesellschafterin (DG Komplementär-GmbH). Neben dem Geschäftsführer der DO GmbH (Kläger) war nur dessen Vater mit einer Kommanditeinlage von 204.000 Euro (51 %) als Kommanditist beteiligt. In § 8 Abs. 1 des Gesellschaftsvertrages der D GmbH & Co. KG war geregelt, dass allein die persönlich haftende Gesellschafterin zur Geschäftsführung berechtigt sei (§ 8 Abs 1 Satz 1). Zur Durchführung aller Maßnahmen und Rechtshandlungen, die über den gewöhnlichen Geschäftsbetrieb hinausgingen, war gem. § 8 Abs. des Gesellschaftsvertrages die vorherigen Zustimmung der Gesellschafterversammlung mit mindestens 75 % der abgegebenen Stimmen erforderlich. Im Übrigen war für Gesellschafterbeschlüsse die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen notwendig. Auf des Statusfeststellungsantrag des Klägers stellte die beklagte Deutsche Rentenversicherung Bund fest, dass er in seiner Tätigkeit für die DO GmbH in der gesetzlichen Rentenversicherung und nach dem Recht der Arbeitsförderung versicherungspflichtig ist.

Das LSG Niedersachsen-Bremen hat das Urteil des SG aufgehoben und die Klage mit der Begründung abgewiesen, dass der Kläger lediglich zu 49 % an der D GmbH & Co. KG beteiligt gewesen sei und damit keine Möglichkeit gehabt habe, ihm nicht genehme Gesellschafterbeschlüsse zu verhindern. Er habe auch nicht über eine generelle Sperrminorität verfügt. Sie habe sich nur auf die über den gewöhnlichen Geschäftsbetrieb hinausgehenden Tätigkeiten bezogen. Eine Einflussnahme auf die Beschlüsse der Gesellschafterversammlung der DO GmbH sei dem Kläger nicht möglich gewesen.

Die Feststellungen und die Begründung des LSG Niedersachen-Bremen sind nach den bereits oben angeführten Entscheidungen nicht ausreichend, um das Urteil zu stützen und die Statusbeurteilung beim Geschäftsführer der DO GmbH abschließend zu entscheiden.

Die Feststellungen des LSG reichen nicht aus, um ausgehend von den für die Statusbeurteilung geltenden Maßstäben die Versicherungspflicht des Klägers aufgrund seiner Tätigkeit für die DO GmbH abschließend zu beurteilen. Der Kläger war zwar nicht Gesellschafter der DO GmbH und allein als deren Fremdgeschäftsführer nicht in der Lage, auf die Geschicke der Beigeladenen ausschlaggebenden Einfluss zu nehmen; auch weist der Geschäftsführeranstellungsvertrag maßgebliche Gesichtspunkte einer abhängigen Beschäftigung auf. Auch seine Kommanditbeteiligung an der D GmbH & co. KG schließt die Beschäftigung nicht aus. Allerdings kann nicht beurteilt werden, ob dem Kläger aufgrund eines ihm möglicherweise als Kommanditist eingeräumten Weisungsrechts oder gegebenenfalls als Gesellschafter der DG Komplementär-GmbH eine hinreichende Rechtsmacht in der Gesellschafterversammlung DO GmbH zukam. Hierzu sind weitere Tatsachenfeststellungen des LSG notwendig.

BSG, Urteil vom 08.07.2020 (B 12 R 6/19)

Statusbeurteilung beim Geschäftsführer einer GmbH bei mittelbarer Beteiligung

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