Inzwischen hat die Mehrheit der Deutschen schon etwas von Bitcoin gehört oder gelesen, wissen aber noch nicht ganz, wie sie den neuen Trend einordnen sollen. Ist es nur ein kurzfristiger Hype, der sich bald wieder in Luft auflöst? Ist es ein Pyramidensystem, bei dem nur die ersten Einsteiger gewinnen? Handelt es sich bei Bitcoin und den anderen Kryptowährungen nur um Spekulationsobjekte, vergleichbar mit den Tulpen im Jahre 1637 in Holland? Oder steckt doch mehr dahinter, so dass sich ein Einsatz in Kryptowährungen oder eine Investition in entsprechende Unternehmen lohnt? Nachfolgend will ich mich zunächst der Frage der Besteuerung realisierter Kursgewinne bei Bitcoin oder anderen Kryptowährungen widmen.

Inhalt:

  1. Bitcoin und andere Kryptowährungen
  2. Besteuerung realisierter Kursgewinne bei Bitcoin & Co.
  3. Verluste aus Spekulationsgeschäften

Bitcoin und andere Kryptowährungen

Bei Bitcoin handelt es sich um die erste sog. Kryptowährung, eine Art digitale Zahlungsmittel, die anders als Euro, US-Dollar oder Schweizer Franken nicht von Zentralbanken oder Geschäftsbanken in Form von Giralgeld „erschaffen“ werden und (daher) in Deutschland nicht als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt sind. Nichtsdestotrotz gibt es eine wachsende Anzahl privater Akzeptanzstellen, wo man auch mittels Kryptowährungen bezahlen kann. Auf staatlicher Seite ist die Akzeptanz von Kryptowährungen (noch) auf einzelne Testprojekte oder Regionen beschränkt, z.B. auf die Bitcoin-Strategie im Schweizer Kanton Zug.

Der Kauf von Kryptowährungen erfolgt über sog. Handelsplattformen (z.B. coinbase.com oder bitcoin.de), bei denen man sich zuvor registrieren muss. Neben Bitcoin zählen wohl Ethereum, Ripple, Bitcoin Cash und Litecoin zu den bekanntesten Kryptowährungen mit dem größten Marktanteil. Darüber hinaus gibt es jedoch noch unzählige weitere Kryptowährungen mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten und Einsatzzwecken. Aus meiner Sicht ist jedoch nicht zu erwarten, dass alle Krytowährungen mittel- oder langfristig Bestand haben werden. Mitentscheidend für den Erfolg einzelner Kryptowährungen ist das Vertrauen der Verbraucher in deren langfristigen Werterhalt und Nutzen im täglichen Leben. Während letzteres noch nicht erkennbar ist, steht die Frage des Werterhalts und/oder einer Wertsteigerung aktuell noch im Vordergrund.

Besteuerung realisierter Kursgewinne bei Bitcoin & Co.

Das Interesse an Bitcoin und anderen Krytpowährungen hat in 2017 erneut deutlich zugenommen, was auch auf die enormen Wertsteigerungen in diesem Jahr zurückzuführen ist. Bei der Besteuerung realisierter Kursgewinne sind folgende Grundsätze zu beachten:

Realisierte Kursgewinne = Privates Veräußerungsgeschäft

Wer Bitcoin oder andere Kryptowährungen innerhalb eines Jahres nach deren Anschaffung bzw. Kauf wieder verkauft, muss die realisierten Kursgewinne gem. § 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EStG mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern (= Privates Veräußerungsgeschäft). Realisierte Kursgewinne innerhalb der Jahresfrist unterliegen also der Einkommensteuer, wobei der individuelle Einkommensteuersatz zur Anwendung kommt, weil es sich um Sonstige Einkünfte gem. § 23 EStG handelt. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass Kursgewinne bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen außerhalb der einjährigen Spekulationsfrist komplett steuerfrei bleiben. Wer also seine Bitcoin in 2017 gewinnbringend verkauft hat, muss keine Steuer auf die realisierten Kursgewinne bezahlen, wenn zwischen Anschaffung und Veräußerung mindestens ein Jahr liegt. Diese Regelung gilt unabhängig von der Höhe des Kursgewinns.

Fazit:

Realisierte Kursgewinne bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen unterliegen nur dann der Einkommensteuer, wenn die Anschaffung und Veräußerung innerhalb eines Jahres erfolgten.

Realisierte Kursgewinne bei Bitcoin & Co. müssen im Rahmen der Einkommensteuererklärung (Anlage SO) angegeben werden.

Freigrenze in Höhe von EUR 600,00

Nach § 23 Abs. 3 S. 5 EStG gilt eine Freigrenze in Höhe von EUR 600,00 pro Kalenderjahr, d.h. realisierte Kursgewinne bleiben bis einschließlich EUR 599,99 steuerfrei. Beträgt der Kursgewinn EUR 600,00 oder mehr, muss dieser allerdings mit dem vollen Betrag  versteuert werden (Freigrenze vs. Freibetrag).

Bei zusammenveranlagten Ehegatten steht die Freigrenze jedem Ehegatten gesondert zu, jedoch nur für die eigenen Einkünfte. Schöpft einer der Ehegatten die Freigrenze mit den eigenen Einkünften nicht aus, kann der nicht ausgeschöpfte Betrag nicht auf den anderen Ehegatten übertragen werden.

Beispiel:

Ehemann A realisiert in 2017 einen Kursgewinn in Höhe von EUR 620,00, der somit über der Freiggrenze liegt und infolgedessen zu versteuern ist. Das gilt ebenso, falls Ehefrau nur einen Kursgewinn in Höhe von EUR 280,00 realisiert. Anders dagegen, wenn Ehemann A einen Kursgewinn in Höhe von EUR 320,00 realisiert und Ehefrau B einen Kursgewinn in Höhe von EUR 300,00. In beiden Fällen bleibt der Kursgewinn innerhalb der Freigrenze und ist somit steuerfrei. Kursgewinne des einen Ehegatten über der Freigrenze von EUR 600,00 können mit Kursverlusten des anderen Ehegatten ausgeglichen werden.

Verluste aus Spekulationsgeschäften

Während das Kalenderjahr 2017 für Bitcoin und die anderen Kryptowährungen ausgesprochen erfolgreich war, fing das Kalenderjahr 2018 eher miserabel an. Wer zum Ende des Kalenderjahres 2017 in Bitcoin oder andere Kryptowährungen eingestiegen ist, schaut aktuell auf enorme Buchverluste. Hier stellt sich dann die Frage, ob realisierte Kursverluste zumindest mit anderen Einkünften verrechnet werden können.

In Deutschland ist der Ausgleich positiver Einkünfte (= z.B. Gehalt aus nicht selbständiger Arbeit oder Einnahmenüberschuß aus selbständiger Arbeit) mit negativen Einkünften (= Verluste) im gleichen Veranlagungszeitraum vorrangig, soweit dies nicht gesetzlich ausgeschlossen oder beschränkt wird. Seit 2004 ist der Verlustausgleich grundsätzlich auch einkünfteübergreifend wieder unbegrenzt möglich. In besonderen Situationen und Einzelfällen bestehen jedoch einige Sonderregelungen zur Verlustabzugsbeschränkung, die vorrangig zu beachten sind. So ist der Verlustausgleich bei Verlusten aus Privaten Veräußerungsgeschäften nur eingeschränkt möglich (§ 23 Abs. 3 EStG):

  1. Verluste dürfen nur bis zur Höhe des Gewinns, der im gleichen Kalenderjahr aus privaten Veräußerungsgeschäften erzielt wurde, ausgeglichen werden.
  2. Darüber hinaus ist ein Verlustausgleich im Sinne von § 10d EStG mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften aus dem Vorjahr möglich.
  3. Ansonsten erfolgt ein Verlustvortrag mittels Verlustfeststellungsbescheid, der dann mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften in den folgenden Jahren zu verrechnen ist.

Eine Verrechnung von Verlusten aus dem Handel mit Bitcoin oder anderen Kryptowährungen ist also nur beschänkt mit Gewinnen möglich, die ebenfalls aus der Veräußerung von Kryptowährungen oder anderen privaten Veräußerungsgeschäften stammen.

Wer in seiner Einkommensteuererklärung Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften erklärt, muss jedoch damit rechnen, dass das Finanzamt hier genau hinschaut. Eine vollständige Dokumentation der entstandenen Kursverluste (Datum des Erwerbs und der Veräußerung, Beträge, Kurse) ist daher unumgänglich.

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