Die Rechtsformwahl im Rahmen der Existenzgründung beeinflusst nicht nur die Gründungskosten und den Umfang der Formalitäten zu Beginn der Selbständigkeit. Darüber hinaus geht es auch um Fragen des Steuerrechts oder der Haftung im weiteren Verlauf der Selbständigkeit. Es ist daher wichtig, sich vor der Auswahl mit den wesentlichen Merkmalen der einzelnen Rechtsformen zu befasssen und dann für die richtige zu entscheiden.

Inhalt:

  1. Warum die Rechtsformwahl so wichtig ist
  2. Die ideale Rechtsform für Existenzgründer
  3. Die Kombination unterschiedlicher Rechtsformen
  4. Rechtsformwahl in drei Schritten

1. Warum die Rechtsformwahl so wichtig ist

Bei der Rechtsformwahl im Rahmen der Existenzgründung geht es nicht nur um die grundsätzliche Entscheidung zwischen den zur Verfügung stehenden Rechtsformen, sondern auch um die individuelle Gestaltung der notwendigen Verträge.

Zunächst müssen sich Existenzgründer in Deutschland für eine Unternehmensform aus dem Katalog der verfügbaren Rechtsformen entscheiden. Eine spätere Umwandlung von einer Rechtsform in eine andere oder Änderungen des Gesellschaftsvertrages sind möglich, aber nicht ohne weiteres umzusetzen und meist mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Umso wichtiger ist es, dass Rechtsform und Gesellschaftsvertrag von Anfang an passen.

Das Gesellschaftsrecht in Deutschland eröffnet je nach Rechtsform einen weitreichenden Gestaltungsspielraum, so dass die individuellen Interessen der Gründer bestmöglich erfüllt werden. Das vorherrschende Prinzip der Vertragsfreiheit geht sogar so weit, dass sich Rechtsformen entwickelt haben, die in der Rechtsordnung so nicht vorgesehen waren. Bestes Beispiel ist die GmbH & Co. KG.

2. Die ideale Rechtsform für Existenzgründer

Wer sich mit den einzelnen Rechtsformen in Deutschland auseinandersetzt, wird schnell erkennen, dass es die ideale Rechtsform nur selten gibt. In den meisten Fällen geht es um eine Abwägung der jeweiligen Vor- und Nachteile und eine abschließende Entscheidung, welche am besten geeignet ist.

Folgende Kriterien spielen bei der Rechtsformwahl eine wichtige Rolle:

  • Höhe des notwendigen Startkapitals und der Gründungskosten;
  • Bürokratie und Dauer der Unternehmensgründung;
  • Eignung der Rechtsform für einen oder mehrere Gründer;
  • Haftungsrisiko der Gründer und Möglichkeiten der Haftungsbeschränkung;
  • Flexibilität im Hinblick auf unsichere Zukunftserwartungen;
  • Möglichkeiten zur steuerlichen Verlustverrechnung mit anderen Einkünften in der Anfangsphase;
  • Höhe der laufenden Kosten für Buchführung, Jahresabschluss und Steuererklärungen;
  • Möglichkeiten zur Aufnahme weiterer Gesellschafter oder Investoren;
  • Dauer und Kosten der Beendigung des Unternehmens, falls die Geschäftsidee nicht den erhofften Erfolg hat;

Je größer die betrieblichen und finanziellen Risiken, desto höher ist das Schutzbedürfnis der Existenzgründer und die damit verbundene Notwendigkeit einer Haftungsbeschränkung zu bewerten.

3. Die Kombination unterschiedlicher Rechtsformen

Die Kombination unterschiedlicher Rechtsformen ist in der Praxis eine beliebte Methode, um gleichzeitig die Vorteile der Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften zu nutzen. Am häufigsten trifft man auf die GmbH & Co. KG, bei der eine GmbH die Stellung des unbeschränkt haftenden Komplementärs in einer Kommanditgesellschaft einnimmt. Etwas exotischer ist die GmbH & Co. KGaA. Im Ergebnis wird so die unbeschränkte Haftung des Komplementärs in der Kommanditgesellschaft auf das Stammkapital einer GmbH beschränkt.

Eine weitere beliebte Mischform ist die Stille Gesellschaft, die in den meisten Formen als stille Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft in Form einer GmbH & Still in Erscheinung tritt. In dieser Form beteiligt sich eine natürliche Person, eine Personengesellschaft oder eine Kapitalgesellschaft durch eine Vermögenseinlage an dem Unternehmen eines Dritten, ohne dass diese Beteiligung nach außen in Erscheinung tritt. Insbesondere die GmbH & Still ist ein beliebtes Modell zur flexiblen Mitarbeiterbeteiligung an einem Unternehmen, ohne die Geschäftsleitung aus der Hand zu geben.

Durch die Aufspaltung eines Unternehmens in eine Besitz- und eine Betriebsgesellschaft (Betriebsaufspaltung) können wertvolle Vermögensteile dem Haftungsrisiko einer Produktions- oder Vertriebsgesellschaft entzogen werden. So lässt sich das Haftungsrisiko eines Unternehmens reduzieren, indem Grundstücke, Maschinen oder andere besonders werthaltige Vermögensgegenstände einer Besitzgesellschaft (z.B. in der Rechtsform einer GbR) gehören, während sie gleichzeitig einer Betriebsgesellschaft (z.B. in der Rechtsform einer GmbH) zur Nutzung überlassen werden.

4. Rechtsformwahl in drei Schritten

Idealerweise erfolgt die Rechtsformwahl in drei Schritten:

  1. Sorgfältige Analyse der Ziele in der Gründungsphase (3 bis 5 Jahre);
  2. Vorselektion der Rechtsformen anhand von Ausschlußkriterien;
  3. Entscheidung für die Rechtsform, die am besten geeignet ist, die Ziele zu erreichen.

Abschließend kann man die gewählte Rechtsform gegebenenfalls noch an die individuellen Bedürfnisse anpassen.

a) Unternehmensziele definieren

Wer sich mit einer Geschäftsidee erfolgreich selbständig machen will, muss eine klare Vorstellung von den Zielen haben, die er in den ersten drei bis fünf Jahren unternehmerisch erreichen will. Dann kann der Existenzgründer die zur Verfügung stehenden Rechtsformen daraufhin überprüfen, ob sich die Ziele damit verwirklichen lassen und welche Kompromisse er notfalls eingehen muss.

Beispiel: Wer sich ohne weitere Partner alleine selbständig machen will und seine Geschäftsidee in den ersten drei bis fünf Jahren komplett nach den eigenen Vorstellungen entwickeln möchte, ist mit einem Einzelunternehmen sehr gut bedient. Eine GmbH wäre eine denkbare Alternative, aber mit Nachteilen hinsichtlich der Kosten bei der Gründung, im laufenden Betrieb und bei Beendigung verbunden.

Solange die Unternehmensziele nicht vollständig definiert sind, ist eine Entscheidung über die richtige Rechtsform nahezu unmöglich.

b) Vorselektion der Rechtsformen anhand von Ausschlußkriterien

Eine erste Vorselektion der verfügbaren Rechtsformen lässt sich anhand einer Übersicht über die wichtigsten Rechtsformen schon in einem frühen Stadium der Vorbereitung treffen. So ist es in vielen Fällen offensichtlich, dass eine Existenzgründung mit einer Kapitalgesellschaft sinnvoll zu realisieren ist, da eine Haftungsbeschränkung auf das Unternehmensvermögen zwingend erforderlich ist. An dieser Stelle geht es also darum, K.O. Kriterien zu definieren, die zum sofortigen Ausschluss bestimmter Rechtsformen führen.

Ferner wird das Wahlrecht der Existenzgründer durch einige gesetzliche Vorschriften eingeschränkt. Darunter fallen auch die Einschränkungen, die sich aus der Zahl der Gründer ergeben.

c) Entscheidung für die ideale Rechtsform

Abschließend erfolgt die Entscheidung für die am besten geeignete Rechtsform, verbunden mit einer Gestaltung des Gesellschaftsvertrages, soweit dieser im Falle einer Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft notwendig ist.

Einmaleins der Rechtsformwahl
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